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Der Charlottenstein

Ein inzwischen fast vergessenes Kleinod im Reinhardswald ist der oberhalb des C-D-Stunz-Weges gelegene Charlottenstein. Einst Station einer der „kleineren Wanderungen im Reinhardswald und im Stadtwald“, ist heute nicht ganz so einfach, ihn zu finden. Die drei Zuwege sind zugewachsen beziehungsweise baufällig, doch ein Besuch immer noch lohnend.

Sommer 1925

Versetzen wir uns 90 Jahre zurück, man schreibt das Jahr 1925: In diesem Jahr wurde der ‚Held von Tannenberg‘, Paul von Hindenburg, zum Reichspräsidenten gewählt. Im gleichen Jahr begannen auch die Dreharbeiten des Stummfilmklassikers Metropolis von Fritz Lang. Alfred von der Stein (geb. 1892), Studienrat am Helmholtz-Gymnasium in Essen, hat in jenem Jahr begonnen, im Reinhardswald zwischen Abendfrieden und Himmelsleiter einen kleinen Aussichtspunkt zu errichten. Er nannte ihn ‚Charlottenstein‘, zu Ehren und aus Liebe zu seiner Frau Charlotte.

Besucht man diesen kleinen Aussichtsturm, so kann man sich kaum vorstellen, wie Herr von der Stein es logistisch fertig gebracht, die notwendigen Baumaterialien sowie Hilfsmittel wie Baumaschinen und Gerüste dort hin zu bringen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass er nur in den jährlichen Sommerferien an seinem Turm gearbeitet hat. Begonnen hat er, wie geschrieben, im Sommer 1925. Es ist nicht überliefert, ob er wirklich jeden Sommer an seinem Charlottenstein weitergebaut hat. Zudem ist nicht sicher, ob er sein Werk 1940 als fertig betrachtet hat oder die Arbeiten nur durch die Einberufung zur Wehrmacht unterbrochen wurden. Damals war er immerhin schon 48 Jahre alt – so alt wie ich zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Blogs. Fortgesetzt hat er seine Arbeit auf jeden Fall nicht mehr, er ist am 31. August 1944 gefallen.

Viele dieser Informationen können wir der Gedenktafel entnehmen, die sich auf der Südseite des Gemäuers befindet:

Erbaut von Studienrat Alfred von der Stein, Studienrat am Helmholtz-Gymnasium, Essen.

GEB. 15.8.1892 – GEF. 31.8.1944

Während der Schulferien von 1925-1940

Benannt nach seiner Frau Charlotte.

Wie findet man den Charlottenstein?

Kommt man den Triftweg hoch, so lässt man das Eisenbahnerheim links liegen und wendet sich nach Erreichen des Waldrandes nach links, wo sich ein breiter Waldweg mit Schranke befindet. Diesem folgt man, bis man eine Kreuzung auf einer Lichtung erreicht. Etwas versteckt führt ein Weg recht hinauf zum Charlottenstein.

Am Charlottenstein angekommen, befindet sich auf der linken Seite des Turmes eine Treppe, die mutige Besucher auf die Plattform des rund fünf Meter hohen Gebäudes führt.

Doch seien Sie vorsichtig, das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr!

Oben angekommen findet man eine Sitzbank vor und schaut auf das jenseits der Mauer befindliche Dach des Unterstands auf der anderen Seite des Turmes. Man erreicht diesen Regenschutz, wenn man rechts um den Turm herum geht.

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