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Buchbesprechung: „Die Römer im Chattenland“ von Udo Schlitzberger und Klaus Fröhlich

„Chatti – Hassi/Hessi – Hessen“ – kaum jemand wird wissen, dass die gemanischen Chatten einstmals zu den größten und kampfstärksten Verbänden gegen die Römer gehörten und mit ihrem fortgesetzen Widerstand die Besetzung ihres Territoriums verhinderten. Ihr Siedlungsgebiet lag zwischen dem Main im Süden, der Lahn im Westen, der Werra im Osten sowie der Diemel im Norden. Über die zu Beginn genannten Lautverschiebungen gaben sie letztlich unserem Bundesland seinen Namen.

Das Buch „Die Römer im Chattenland“ von Udo Schlitzberger und Klaus Fröhlich arbeitet diese Spuren der römischen Präsenz in Nordhessen auf und ist damit ein wichtiger Beitrag zum Verständnis unserer Geschichte. Es basiert übrigens auf dem Volkshochschulkurs „Antike Reisewege in den hessischen Mittelgebirgen“.

Für die Bewohner von Bad Karlshafen und Helmarshausen besonders interessant: Die Exkurse über die Sieburg und die städtebauliche Geschichte von Helmarshausen.

 

Der Klappentext

In der römischen Kaiserzeit vor 2.000 Jahren war das nordhessische Kernland der Chatten wiederholt Aufmarsch- und Kampfgebiet römischer Feldherren. Unter dem Befehl von Drusus, dem Stiefsohn des Augustus, marschierten römische Legionen 9 v. Chr. von Mainz durch Nordhessen bis zur Elbe.

Dessen Sohn Germanicus überfiel 15 n. Chr. mit zehntausenden Legionären in einem Rachefeldzug sechs Jahre nach der Varusschlacht den kampfstarken Stamm der Chatten. Er zerstörte deren Kult- und Siedlungskern mattium und verwüstete das gesamte Chattenland. Die Spuren dieser massiven römischen Präsenz in Nordhessen sind bislang kaum erforscht.

In diesem Buch werden römische Marschwege, Lagerplätze und Nachschubtrassen in Nordhessen und dessen Nachbarregionen durch die systematische Kombination römischer Geschichtsschreibung und archäologischer Funde und Befunde mit historischer Altstraßenforschung, geodätischen Informationssystemen und aktueller Airborne Laserscan-Technik rekonstruiert. Aus dieser interdisziplinären Verknüpfung resultieren sowohl neue historische Erkenntnisse als auch interessante Impulse für künftige archäologisch-historische Diskurse und Untersuchungen.

 

Die Gliederung

Vorwort

I. Die Römer in Nordhessen

II. Die Chatten: Chatti – Hassi/Hessi – Hessen – Kampfstarke Gegner der Römer

Exkurs: Die Römer: „Feindliche Nachbarn“ der Chatten – Gliederung und Ausrüstung der römischen Legionen

III. Die Drusus-Feldzüge 11 und 10 v. Chr.

IV. Der Drusus-Feldzug 9 v. Chr.

Exkurs: Der römische Marschweg durch Kassel

V. Römische Präsenz im Chattenland – Von Tiberius 9 v. Chr. bis Varus 9 n. Chr.

VI. Varus an der Nordspitze Hessens

Exkurs: Helmarshausen – Analyse zur städtebaulichen Geschichte

VII. Germanicus im Chattenland

Exkurs: Die Sieburg – Segestesburg? Archäologische Rätsel in Hessens Nordspitze

VIII. Römische Chatten-Feldzüge 39 bis 235 – Von Gaius „Caligula“ bis Maximinus Thrax

Anhang

 

Bewertung

Ein lesenswertes Buch und eine wertvolle Ergänzung zu den bisher vorgelegten historischen Werken über Nordhessen. Die umfassende Darstellung umfasst auch Grundlagen über das römische Militärwesen und macht damit auch den Laien auf dem Gebiet der römischen Geschichte Spaß, das Buch zu lesen. Der Hinweis darauf, dass die Sieburg bislang noch nicht systematisch archäologisch untersucht wurde, gibt vielleicht einen Anstoß, das große archäologische Rätsel um die größte nordhessische Wallanlage endlich zu lösen zu versuchen.

 

Die Autoren

Udo Schlitzberger, geboren am 31.10.1946 in Kassel, wuchs in Calden-Fürstenwald auf, wo er bis heute lebt. Von 1966 bis 1971 Studium der Geschichts- und Politikwissenschaften, Germanistik und Philosophie an der Phillips-Universität in Marburg. 1973 Promotion mit einer Dissertation über den „Kritischen Rationalismus Karl R. Poppers“. Vor 1973 bis 1976 Lehrer an der Gesamtschule Niestetal und dem Oberstufengymnasium Kassel-Oberzwehren. 1976 bis 1991 Abgeordneter des Wahlkreises Hofgeismar/Wolfhagen im Hesssischen Landtag; von 1991 bis 2009 Landrat des Landkreises Kassel.

Klaus Fröhlich, geboren am 23.2.1947 in Dörnberg, lebt in Habichtswald-Dörnberg. Kraftfahrzeugmeister, Automobilhändler und Heimatforscher. Interessengebiete: Die Keltenburg auf dem Hohen Dörnberg und die römische Marschstrassen auf antiken Fernwegen in Nordhessen, Südniedersachsen, Ostwetfalen und Westthüringen.VHS-Kursleiter (gemeinsam mit Udo Schlitzberger) von 2014 bis 2017 der Kurse: „Antike Reisewege in den hessischen Mittelgebirgen“ und „Kelten, Römer und Chatten in Nordhessen“.

 

Bibliographische Daten

Schlitzberger, Udo und Fröhlich, Klaus (2017): Die Römer im Chattenland: Spuren römischer Präsenz in Nordhessen, 108 Seiten, vierfarbig mit zahlreichen Karten, Fotografien und Abbildungen, 17,90 Euro, euregioverlag, Kassel, ISBN 978-3-933617-66-8.

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