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Orffyreus und das Perpetuum Mobile erobern Bad Karlshafen

Die Stadt Bad Karlshafen dreht derzeit am Rad, aber nicht wegen ihrer Finanzen oder der zahlreichen Baustellen. Nein, sie berauscht sich vielmehr an einem ganz besonderen Ereignis, das auf die Anwesenheit des Perpetuum-Mobile-Erfinders Orffyreus in der Stadt zurückgeht: Dieses und nächstes Wochenende (24.05.-26.05. und 31.05.-02.06.) gibt es die einmalige Möglichkeit, den Quacksalber, Schatz- und Goldgräber und vor allem Uhrmacher im Rahmen des Theaterstücks „Perpetuum Mobile – Eine Stadt im Rausch“ kennenzulernen. Eine begleitende Ausstellung schildert noch bis zum 14. Oktober  2018 detailliert Leben und Werk von Johann Ernst Elias Bessler, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Orffyreus.

 

Johann Ernst Elias Bessler, genannt Orffyreus

Johann Ernst Elias Bessler wurde 1681 in Zittau geboren und war dort Schüler des Rektors und Barockdichters Christian Weise. Ein abenteuerliches Wanderleben über die Jahrmärkte Europas verschafften ihm Erfahrungen in Schauspielerei, Medizin (Quacksalberei), Schatz- und Goldgräberei und vor allem in Uhrmacherei und in der Mechanik, die schon immer seine Lieblingsdisziplin war. Er trat unter dem klangvollen „Künstlernamen“ Orffyreus auf. 1712 baute er in Gera sein erstes „Pepetuum mobile“  und führte es öffentlich vor. Dem Perpetuum mobile in Gera folgten weitere in Draschwitz bei Leipzig (1713) und in Merseburg (1715), die große Aufmerksamkeit erregten und zu einer heftig ausgefochtenen Kontroverse führten. Daraufhin erhielt Orffyreus einen Ruf an den Hof des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel (1654- 1730), einem großen Förderer der Künste und Wissenschaften. Er ernannte Orffyreus zum Kommerzienrat und bot ihm und seiner stattlichen Entourage Wohn- und Arbeitsräume in seinem Schloss Weissenstein, dem heutigen Wilhelmshöhe. Orffyreus publizierte im Oktober 1719 in Kassel das in deutscher und lateinischer Sprache verfasste Buch „Das triumphierende Perpetuum Mobile“ . Im Spätsommer oder Herbst 1721 zog er per Schiff über Fulda und Weser nach Karlshafen um, nachdem der Landgraf ihn aus Weissenstein verbannt und dort ein Haus mit Garten und Ackerland zugewiesen hatte. Fortan lebte Bessler dort mit seiner Familie im Haus direkt neben dem Packhaus, dem heutigen Rathaus. Orffyreus erstellte ein neues Perpetuum-Mobile-Modell und schrieb unzählige Bittbriefe an Karl, er verlangte Geld, um das Modell wiederum „ins Große“ bauen zu können. Die Neigung des Landgrafen hierzu war gering. Am 30. November 1745 starb Bessler 65-jährig bei Arbeiten am Neubau einer Windmühle in Fürstenberg an der Weser durch einen Sturz in die Tiefe. Als Konstrukteur des Gebäudes plante er, die dort häufig herrschenden Aufwinde durch ein sich horizontal drehendes Flügelrad zu nutzen.

Auszug aus der Lebensbeschreibung „Historischer Hintergrund“, siehe unten.

 

Theater Anu „Perpetuum Mobile – Eine Stadt im Rausch“ am 24., 25., 26., 31.05. sowie 01. und 02. Juni 2018

Bei den aktuellen Sanierungsarbeiten des barocken Hafenbeckens von Bad Karlshafen gibt es eine unglaubliche Entdeckung: Luftdicht verpackt in einer versiegelten Kiste befindet sich der weltweit einzig erhaltene Bauplan eines Perpetuum Mobiles. Das „Ewige Rad“ ist die Erfindung Johann Besslers – Medicus, Mechanicus und Vertrauter des Landgrafen. Ist es möglich dieses Wunderrad 300 Jahre später nachzubauen? Gibt es tatsächlich ein sogenanntes Perpetuum Mobile? Und wird damit das Energieproblem der Welt ein für alle Mal gelöst und Bad Karlshafen nun weltberühmt?

Theater Anu verspricht mit seiner neusten Inszenierung eine Stadt im Rausch: An verschiedenen Stationen im Stadtraum werden Szenen gezeigt, die nach und nach die Gesamtgeschichte erzählen. Die Teilnehmer begeben sich im Stadtraum auf die Spuren Landgraf Carls und seines Hof-Erfinders Bessler, lernen die Ideenwelt und Lebenswirklichkeit der Barockzeit und des barocken Fürstentypus kennen, verfolgen die jahrhundertealte Suche nach der mühelosen und kostenfreien Energieerzeugung und finden am Ende sich selber in der Geschichte wieder.

Die Aufführung beginnt für alle Zuschauer um 20.30 Uhr am Rathaus. Die Spieldauer beträgt ca. 3 Stunden, eine Mindestverweildauer von 90 Minuten wird empfohlen.

Tipp: Vor jeder Vorstellung finden um 19.30 Uhr Vorträge in der „Auberge“ (An der Schlagd) statt. Nähere Informationen entnehmen Sie den Aushängen an der Abendkasse und dem Veranstaltungsort.

 

Begleitausstellung über Leben und Werk von Orffyreus

Die Begleitausstellung zur Welturaufführung von „Perpetuum mobile – Eine Stadt im Rausch“ gibt Einblicke in die besonderen Ideen und Ziele von Stadtgründer Landgraf Carl. Dabei steht insbesondere die Beziehung zu „seinem“ Erfinder Johann Bessler und dessen damals berühmten „Perpetuum mobile“ im Vordergrund. Bessler war bis zu seinem Tod Bewohner der Stadt und hatte hier viele Erfindungen konzipiert und Experimente durchgeführt.

Die Ausstellung beleuchtet mit Exponaten und Texten die Zusammenarbeit von Landgraf Carl und Bessler, die Technik und einen Nachbau des „Bessler-Rades“ in Originalgröße, die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte sowie die Naturwissenschafts- und Technikwelt der Barockzeit. Anfassen ausdrücklich erlaubt!

Ausstellung vom 13. Mai bis 14. Oktober 2018, täglich von 10 bis 17 Uhr.

 

Orffyreusstadt Bad Karlshafen?

Jede Stadt ist auf der Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal, auch Bad Karlshafen. Warum also nicht (offiziell oder inoffiziell) die Stadt zur „Orffyreusstadt Bad Karlshafen“ machen. Der ungewöhnliche Name macht neugierig, die Geschichte des Perpetuum Mobile fasziniert die Menschen weltweit und sorgt sicher für zusätzliche Besucher. Derzeit gibt es eine sehr gut konzipierte Ausstellung zum Leben und Werk von Johann Ernst Elias Bessler, zudem wurden Bücher über diesen Mann geschrieben und zahlreiche Internetforen befassen sich mit Bessler. Aus den Austellungstexten könnte ein neuer Band der Reihe „Beiträge zur Geschichte der Stadt Bad Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets“ werden. Die Ausstellung verbleibt im Ort (ein entsprechender Raum sollte sich finden lassen), es gibt geführte Stadtspaziergänge zum Thema und ein lukratives Mechandising. Die touristischen Angebote zu den beiden Theaterwochenenden könnten angepasst beibehalten werden.

Soll die geleistete Vorarbeit künftig ungenutzt bleiben?

 

Quellen und zum Weiterlesen

Sehenswertes Video „Im Brennpunkt“ (aufgerufen am 25. Mai 2018)

Vertiefende Informationen zum Theaterstück „Perpetuum Mobile – Eine Stadt im Rausch“ (aufgerufen am 25. Mai 2018)

Historischer Hintergrund (aufgerufen am 25. Mai 2018)

Wikipedia: Johann Bessler (aufgerufen am 25. Mai 2018)

 

 

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