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Carl – viel mehr als nur ein Namensgeber

„Carlstaße“, „Carlsplatz“ und „Carlsbahn“ – täglich kommen wir in Bad Karlshafen und Helmarshausen mit „Landgraf Carl zu Hessen Cassel“ in Kontakt. Doch wer war dieser Carl? Er verkaufte Soldaten, verfolgte ein unrealistisches Kanalprojekt und schuf eine Stadt, die noch heute seinen Namen trägt. Aber wie die noch bis zum 1. Juli in Kassel laufende Ausstellung „Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa“ sowie das hervorragende Begleitbuch zeigen, steckte hinter dem Landesherren mehr als man gemeinhin vermutet. Beispiele: Er und seine fünf Söhne kämpften im Spanischen Erbfolgekrieg und einer seiner Söhne wird später König von Schweden. Er war es auch, der den Perpetuum-Mobile-Bauer Orffyreus zunächst nach Kassel holte, um ihn dann später nach Karlshafen zu verbannen.

 

Landgraf Carl zu Hessen Cassel – ein chronologischer Lebenslauf

1654 Geboren am 3. August in Kassel als zweiter von vier Söhnen des Landgrafen Wilhelm VI. und seiner Frau Hedwig Sophie.

1663 Tod des Langrafen Wilhelm VI., Hedwig Sophie übernimmt die Regentschaft für den noch minderjährigen Thronfolger Wilhelm VII.

1670 Tod des Thronfolgers Wilhelm VII. auf seiner Kavalierstour in Paris, Hedwig Sophie übernimmt nun die Regentschaft für den noch minderjährigen Carl.

1673 Hochzeit Carls mit der Herzogin Maria Amalia von Kurland.

1674-1679 Im Schonischen Krieg vermietet Carl erstmals hessische Soldaten gegen Zahlung von Subsidiengeldern.

1677 Geburt des ersten überlebenden Kindes, des Erbprinzen Friedrich.

1677 Carl wird mit 23 Jahren regierender Landgraf.

1683 Carl eilt nach Wien, um dem Kaiser gegen die Belagerung von Wien durch die Osmanen zu helfen. Er kam einen Tag zu spät …

1685 Erlass der „Freiheits-Concession, einer Einladung an die protestantischen Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, sich in Carls Herrschaftsgebiet anzusiedeln.

1688-1697 In Pfälzischen Erbfolgekrieg verteidigt Landgraf Carl zusammen mit allierten Fürsten die Rheinregion.

1696 Beginn der Arbeiten am heutigen Bergpark Wilhelmshöhe. Einrichtung des Kunsthauses im Ottoneum, das der wissenschschaftlichen Forschung und Sammlung gewidmet ist.

1699 Gegründung der heutigen Stadt Bad Karlshafen.

1699-1700 Der Landgraf reist nach Italien.

1701-1714 Carl und fünf seiner Söhne kämpfen im Spanischen Erbfolgekrieg.

1711 Landgräfin Maria Amalia stirbt.

1713-1730 Nach Maria Amalias Tod hat der Landgraf zwei Mätressen: Marquise Jeanne Marguerite de Langallerie und Barbara Christine von Bernhold.

1717 Fertigstellung des Herkules am Carlsberg.

1720 Landgraf Friedrich I. wird König von Schweden.

1727 Einführung der allgemeinen Schulpflicht in der Landgrafschaft

1729 Besuch von König Georg II. von Großbritannien in Kassel.

1730  Tod des Langrafen am 23. März in Cassel.

 

Die Ausstellung „Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa“

Die Ausstellung „Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa“ läuft noch bis zum 1. Juli 2018 im Fridericianum in Kassel.

Die Beschreibung der Ausstellung durch die Veranstalter:

Landgraf Carl von Hessen-Kassel (1654 – 1730) zählt zu den bedeutenden Fürsten der Barockzeit. Seine Finanz- und Wirtschaftspolitik, aber auch sein großes Interesse an Wissenschaft und Kunst beeinflussten die Geschicke seiner Landgrafschaft Hessen-Kassel entscheidend. Die Landesausstellung widmet sich erstmalig dieser beeindruckenden Herrscherfigur.

Unter Carls Herrschaft entstand die grandiose Anlage des Bergparks Wilhelmshöhe mit ihren Wasserspielen, die seit 2013 zum UNESCO Welterbe gehört. Zusammen mit dem Park Karlsaue veranschaulicht dieses Großprojekt noch heute den Repräsentationswillen des absolutistischen Herrschers.

Seine Soldaten kämpften in allen wichtigen Kriegen seiner Zeit, und als Verbündeter war er hoch geschätzt. Seine zahlreichen Kinder verheiratete er in ganz Europa, und einer seiner Söhne stieg sogar zum König von Schweden auf. Die Landgrafschaft öffnete er für geflüchtete Hugenotten, die wertvolles Fachwissen in sein Land brachten und seit Jahrzehnten verwüstete Landstriche wieder bevölkerten. Seine Liebe zur bildenden Kunst ebenso wie zur Wissenschaft fand Ausdruck im Kunsthaus, eine einzigartige Einrichtung, in der er seine Sammlungen für Besucher ebenso wie für die Forschung bereitstellte.

Der Übergang zwischen Visionen und Größenwahn war fließend, und viele seiner Ideen gingen weit über das Realisierbare hinaus.

Die Ausstellung widmet sich erstmals in umfassender Weise dem Leben, der Politik, den Plänen und den Spuren Landgraf Carls. Sie prägen bis heute die Stadt Kassel ebenso wie das Land Hessen und strahlen weit in alle Teile Europas hinaus.

 

Zum ausführlichen Studieren: Der Begleitband zur Ausstellung

Will man das Gesehene noch einmal nachvollziehen oder einfach nur das Leben dieses vielfältigen und faszinierenden Herrschers studieren, so lohnt sich die Anschaffung des sehr umfangreichen Austellungskatalogs.

Museumslandschaft Hessen Kassel, Gisela Bungarten (Hrsg.): Landgraf Carl in Hessen und Europa, 23,5 x 29 cm, 624 Seiten, 843 Farbabbildungen, Hardcover, 49,95 Euro (in der Ausstellung 39,90 Euro), Michael Imhof Verlag, Petersberg, ISBN 978-3-7319-0610-0

Der Klappentext:

Landgraf Carl von Hessen-Kassel (1654–1730) ist eine überragende historische Gestalt: In mehr als fünfzig Jahren Regierungszeit führte er sein Land aus den Ruinen des Dreißigjährigen Krieges in eine prosperierende Zukunft. Dazu zählten die Aufnahme hugenottischer Flüchtlinge, die Einrichtung eines stehenden Heeres und eine geschickte Heiratspolitik, die seinen Sohn zum König von Schweden machte. Groß war sein Interesse an den Wissenschaften und Künsten seiner Zeit und noch heute zeugen spektakuläre Bauten wie die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Wasserspiele in Kassel von seinen Ansprüchen. Seine Ambitionen gingen noch weit über das Realisierte hinaus, und viele seiner Ideen sind in Plänen und Auftragswerken detailliert nachvollziehbar.

Dieser Ausstellungskatalog präsentiert in umfassender Art und Weise Landgraf Carl und seine Zeit. Mit zehn Essays zu den unterschiedlichen Aspekten von Landgraf Carls Herrschaft und einem Katalog von mehreren hundert Artefakten lässt er die Barockkultur in Hessen-Kassel in einer nie dagewesenen Form auferstehen.

 

Quellen und zum Weiterlesen

Regiowiki: Karl (Hessen-Kassel) (aufgerufen am 8. Juni 2018).

Internetseite der Ausstellung (aufgerufen am 8. Juni 2018).

Ausstellungskatalog: Museumslandschaft Hessen Kassel, Gisela Bungarten (Hrsg.): Landgraf Carl in Hessen und Europa, 23,5 x 29 cm, 624 Seiten, 843 Farbabbildungen, Hardcover, 49,95 Euro (in der Ausstellung 39,90 Euro), Michael Imhof Verlag, Petersberg, ISBN 978-3-7319-0610-0.
 
 

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