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Über fünf Brücken sollst du gehen …

Bad Karlshafens Kernstadt ist zwar kein Weservenedig, doch lohnt es sich, sein Augenmerk einmal auf die fünf Brücken der Stadt zu richten. Neben der Weser- und der Diemelbrücke kommt jedem sicherlich gleich die Teufelsbrücke in den Sinn. Die ehemalige Kanalbrücke kam durch die Öffnung des historischen Hafens wieder in den Fokus. Den Standort der Lazarettbrücke kann man sich vielleicht noch herleiten, muss aber bereits schon etwas überlegen. Aber welche der fünf genannten Brücken trug einmal den Namen „Wilhelmsbrücke“?

Machen Sie heute mit mir heute einen kleinen Stadtspaziergang, der Sie durch die „Fünf- Brücken-Stadt“ Bad Karlshafen führt. Es dauert gar nicht lange und ist recht informativ.

 


Karlshäfer Brückenweg

Wir starten unseren Stadtspaziergang am „Treffpunkt Hafenmauer“ vor dem Rathaus und gehen in südöstlicher Richtung zur

 

Teufelsbrücke

Diese kleine Brücke hier hat eine wichtige Funktion für die Menschen, die sich in der Innenstadt bewegen. Will man vom Café Sieburg zum Hotel ›Zum Schwan‹ gelangen, so hat man unter Nutzung der Teufelsbrücke sein Ziel in weniger als zwei Minuten erreicht. Vor einigen Jahren, als die Hafenmauer aufwendig saniert wurde, war auch die Brücke demontiert. Damals musste jeder, der den beschriebenen Weg gehen wollte, an der Rosenapotheke vorbei über die Lazarettbrücke in die Conradistraße einbiegen, um am Antiquariat Schäfer vorbei zum Hotel ›Zum Schwan‹ zu gelangen. Eine interessante Frage ist auch die, woher die Teufelsbrücke ihren Namen hatte? Hieße die Brücke ›Brückle‹, ›Bismarck-Brücke‹ oder gar ›Erwin-Menke-Brücke‹, so hätte ihr Name keinerlei Interesse hervorgerufen. ›Brückle‹ war klar, der Name ›Bismarck‹ war selbst jedem Niederländer bekannt und für ›Erwin Menke‹ hätte sich vermutlich niemand interessiert. Warum also Teufelsbrücke? Eine gute Frage …

Hat man die Teufelsbrücke überquert, so geht es nach rechts die Conradistraße hinunter. An ihrem Ende führt sie direkt auf die Carlstraße. Gleich rechts verläuft der Kanal und das Brückengeländer verweist auf den Standort der

 

Lazarettbrücke

Der Name der Lazarettbrücke geht auf die unmittelbare Nähe zum Invalidenhaus zurück, das in seinen Anfangsjahren verletzte und alte Soldaten beherbergt hat. In den Anfangsjahren der Stadt führte eine von Meetsma errichtete Drehbrücke über den damals noch in reger Benutzung befindlichen Kanal hin zum Mühlengraben. Mit Anschluss Karlshafens an das Eisenbahnnetz 1848 wurde der Kanal in Straßenbreite übermauert und damit war das Schicksal des Kanal endgültig besiegelt. Bis 1966 war es die einzige „Eisenbahnbrücke“ der Stadt.

Geht man die Carlstraße bis zu ihrem Ende, so gelangt man auf die Weserstraße. Weitere fünfzig Meter nach links und am Ende der Bundesstraße 80 befindet sich die

 

Diemelbrücke

Gelangte man in den Anfangsjahren vermutlich noch mittels Booten oder einer Fähre über die Diemel, so wurde schließlich im Jahr 1704 eine einfache Brücke über den Fluss errichtet. Ein Stich aus der Zeit um 1790 zeigt die hohe Holzkonstruktion. Kurze Zeit später wurde die hölzerne Konstruktion durch eine steinerne Brücke ersetzt. In der Stadchronik aus dem Jahr 1829 heißt es, dass der Kurfürst bei seinem Besuch über die „Wilhelmsbrücke“ in die Stadt gelangs sei. Also war Landgraf Wilhelm – neben Carl, Friedrich und Friedrich Wilhelm (Nordbahn) – Namensgeber für die Stadt und die Region. Im November 1890 wurde die Diemelbrücke durch ein Hochwasser zerstört und musste neu errichtet werden. Man lernte aus den Fehlern der Vergangenheit, nach den denen die Brücke nicht nur diese Funktion erfüllte, sondern aufgrund ihrer ungünstigen Bauweise quasi als Staumauer wirkte und die Wirkung des Hochwassers in der Stadt verstärkte. Bis 1893 gab es eine Notbrücke, dann war die neue Brücke fertiggestellt. Im Zuge der Neuerrichtung der Diemelbrücke wurde auch das 1749 errichtete Wachhaus abgerissen. Am 7. April 1945 gegen 11 Uhr wurde die Diemelbrücke gesprengt, um den amerikanischen Truppen den einfachen Zugang zur Stadt zu erschweren. Bis zum erneuten Neubau der heute bestehenden Brücke 1951 erfolgte der Zugang zur Stadt erneut über eine hölzerne Notbrücke.

Dreht man um und folgt der Unteren Weserstraße, so erreicht man schnell den historischen Hafen und die

 

Ehemalige Kanalbrücke

Das Kanalprojekt von Landgraf Carl machte es erforderlich, dass es möglich war, am Übergang von Unterer zu Oberer Weserstraße den Verbindungskanal zwischen Hafen und Weser zu überqueren. Hierzu wurde zunächst eine Zugbrücke errichtet. Diese wurde zu einem mir nicht bekannten Zeitpunkt zu einer Drehbrücke umgebaut. Vermutlich zu der Zeit, als der Eisenbahnverkehr die Funktion des Hafens als Warenumschlagsplatz überflüssig machte und der Hafen nur noch als Winterlager für den Frachtverkehr beziehungsweise in beschränktem Umfang für den lokalen Handel genutzt wurde. Im Manuskriptplan von Pfarrer Francke aus der Zeit um 1890 ist bereits von einer „drehbaren Brücke“ die Rede. 1930 wurde die alte Drehbrücke durch eine feste Betonbrücke ersetzt. Die Drehbrücke war nicht mehr tragfähig genug, die Anforderungen des gestiegenen Verkehrsaufkommens zu erfüllen. 2018 wurde die Brücke wieder ihrer eigentlichen Funktion gerecht, denn durch den Umbau können nun wieder Boote unter ihr hindurchfahren.

Der weitere Weg führt durch die Obere Weserstraße hin zur Kasseler Sparkasse mit seinem Hugenottenpärchen über der Uhr. Links hinauf geht es zur derzeit im Neubau befindlichen

 

Weserbrücke

Zunächst wurde die Weser mit Flößen überquert, bevor die erste Fährverbindung zwischen Carlshafen und dem damals jenseits der Staatsgrenze auf hannoveranischen Territorium liegenden rechten Weserufer eingerichtet wurde. Sie befand sich an der Landspitze zwischen Diemelmündung und Weser, beim heutigen Minigolfplatz – dies zeigt ein Plan von Carlshafen aus dem Jahr 1816. Die erste Brücke über die Weser wurde am am 22. Oktober 1894, dem 36. Geburtstag der deutschen Kaiserin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, eingeweiht. Während der ersten achtzehn Jahre die Benutzung der Weserbrücke nicht kostenlos, sondern jeder Benutzer der Weserquerung hatte ein Brückengeld zu bezahlen. Ab 1912 war der Übergang über die Weser gratis. Es wurde auch ernsthaft darüber nachgedacht, die beiden Bahnlinien – die Carlsbahn sowie die Sollingbahn – miteinander zu verbinden. Letztlich wurde dieses Vorhaben jedoch aufgrund wirtschaftlicher und praktischer Erwägungen aufgegeben. Diese erste Weserbrücke wurde in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört, am 7. April 1945. Im Sommer 1950 begann endlich der Neubau der Brücke. Eingeweiht wurde die neue Weserquerung am 19. Mai 1951. Ende 2017 wurde mit der Einrichtung der dritten Weserbrücke begonnen. Die Fertigstellung ist für Mitte 2019 vorgesehen.

Zurück geht es über die Obere Weserstraße bis zum am historischen Hafen gelegenen Rathaus.

Dauer: Circa 20 Minuten.

Hinweis: Leichter Weg.

 

Quellen und zum Weiterlesen

Milte, Kurt: Karlshafen / Wesertal – Portrait einer Barockstadt und ihrer Landschaft, 1965, Verlag Schneider & Weber, Kassel.

Bohn, Robert (2000): 1699-1999 Karlshafen – Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Hessischen Planstadt aus der Barockzeit, Reihe ‚Beiträge zur Geschichte der Stadt Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets‘, Band 11, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshafen.

Bad-Karlshafen-Forum: verschiedene Diskussionsbeiträge.

One comment

  1. Bettina Kasper says:

    Lieber Christian, was du alles so recherchierst! Ich hätte da noch die „Rentnerbrücke“ in Helmarshausen, die leider seit mehreren Monaten gesperrt ist. Sehr ärgerlich, da nicht nur Wanderer, sondern auch Einheimische keinen schönen Spaziergang mehr dort entlang machen können, idyllisch an der Diemel entlang.
    Liebe Grüße

    Bettina

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