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Acht Kostbarkeiten in Bad Karlshafen und Helmarshausen (6): Museum des Heimatvereins Helmarshausen

Genau 34 Jahre ist es nun her, dass in London das damals teuerste Buch der Welt versteigert wurde – das bis dahin verschwundene Evangeliar Heinrichs des Löwen. Will man heute eine Faksimile dieses epochalen Werkes betrachten, so braucht man nur das Museum des Heimatvereins Helmarshausen zu besuchen. Neben dieser Nachbildung des einstmals „vor Ort“, im Benediktiner-Kloster Helmarshausen vom Mönch Herimann um 1188 geschaffenen Werkes gibt es dort die Dauerausstellung „Buchmalerei im Mittelalter“ sowie immer wieder interessante Sonderausstellungen zu sehen – beispielsweise im letzten Jahr zum Thema Hochwasser. Vor allem ist das vom Heimatverein Helmarshausen betriebene Museum die Keimzelle vieler Aktivitäten der sehr regen ehrenamtlichen Mitglieder: Neben der Betreuung des Museums zählt dazu die Betreuung der nahegelegenen Krukenburg, Initiativen wie die „Helmars-Häuser“ sowie die Herausgabe eines „Heimatkalenders“.

  

Die Ausstellungsräume im Museum des Heimatvereins Helmarshausen

In den Kunstwerkstätten des ehemaligen Benedektiner-Klosters Helmarshausen entstanden bedeutende Werke der Buchmalerei und Goldschmiedearbeiten. Die bedeutendsten Werke sind zwei Tragaltäre (Diözesanmuseum Paderborn) und das Evangeliar Heinrich des Löwen (Georg August Bibliothek Wolfenbüttel). Diese sowie weitere Kunstwerke befinden sich heute in verschiedenen Museen, zum Beispiel in Fritzlar, Hildesheim, Paderborn, Berlin, Köln, Trier, London, Upsala (Schweden) und London. Das bekannteste Kunstwerk ist das Evangeliar Heinrich des Löwen. Diese Handschrift wurde 1983 in London versteigert und brachte den Erlös von 32,5 Millionen Deutsche Mark. Wegen dieses hohen Betrages hatte es über mehrere Jahre den Beinamen „Teuerstes Buch der Welt“. In der ständigen Ausstellung des Heimatmuseums Helmarshausen wird ein Faksimile dieses Buches sowie ein Video mit Bildern aus dem Evangeliar mit entsprechenden Erklärungen gezeigt. Außerdem gibt es eine umfangreiche Sammlung von natürlichen Rohstoffen, aus denen Farben, Tinten und Pergament für die Buchproduktion hergestellt wurden.

 

Daten und Fakten

Das Heimatmuseum in Helmarshausen entstand 2005, als die Stadt Bad Karlshafen dem Heimatverein Räume im ehemaligen Rathaus in Helmarshausen zur Verfügung stellte. Dort wurde ein Museum mit dem Schwerpunkt „Buchmalerei im Mittelalter“ eingerichtet.

Das Heimatmuseum befindet sich in der Poststraße 40 in Bad Karlshafen-Helmarshausen und ist vom 1. April bis 31. Oktober jeweils mittwochs von 10.00 bis 12.00 Uhr sowie an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 15.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Im Winter ist das Museum nur für Gruppen und gegen Voranmeldung (siehe E-Mail-Adresse unten) geöffnet.

 

Heimatverein Helmarshausen von 1951 e. V.

Das Heimatmuseum wird seit 2005 vom Heimatverein Helmarshausen betrieben. Am 1. September 1951 wurde der Verein als ‚Heimat- und Verkehrsverein Helmarshausen‘ unter Federführung von Doktor Ernst-Heinrich Garkisch, Chefarzt des Krankenhauses Helmarshausen, ins Leben gerufen. Seitdem arbeitet der Verein und seine ehrenamtlichen Mitglieder seit mittlerweile mehr als fünfundsechzig Jahren an der Erhaltung und Aufbereitung des historischen Wissens des so geschichtsträchtigen Ortes. Der Name des Vereins wurde 1993 in „Heimatverein Helmarshausen von 1951 e. V.“ geändert. Das 50jährige Bestehen konnte der Verein im Sommer 2001 mit einem Festakt feiern. Es wurde eine große Bilderausstellung im Saal des Bürgerhauses mit alten und neuen Bildern von Helmarshausen gezeigt.

 

Mehr als nur Museumsbetrieb – weitere Tätigkeiten des Heimatvereins

Der Heimatverein übernimmt weitere wichtige Aufgaben zum Erhalt und zur Weiterverbreitung des kulturhistorischen Erbes von Helmarshausen. Zum Beispiel die Betreuung der oberhalb des Ortes gelegenen Krukenburg. Die Krukenburg ist vom 1. April bis 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Im Winter ist die Krukenburg am Tag zugänglich, nur der Turm ist gesperrt.

Eine weitere wunderbare Initiative des Heimatvereins Helmarshausens, historische Häuser und Plätze im Ort mit kleinen Informationstafeln zu versehen, um ihre Eigen- und Besonderheiten zu beschreiben, sind die „Helmars-Häuser“. Und der Ort hat in der Tat viel zu bieten: Ein Schloss, einen Bahnhof, ein Fachwerkhaus, der mal als Szene für einen Tatort diente, eine nicht mehr vorhandene, aber trotzdem bemerkenswerte Mühle, sowie zahlreiche Längsdielenhäuser. Die „Helmars-Häuser“ reichen vom ehemaligen Schloss Bentinck am ehemaligen Krankenhaus bis hin zum ehemaligen Knappschaftskurheim (die heutige Jugendherberge in der Gottsbürener Straße).

In diesem Jahr hat der Heimatverein zum zweiten Mal einen Jahreskalender herausgegeben. Der Hobby-Fotograf Detlev Schieweck hat in den verschiedenen Jahreszeiten unterschiedliche Motive von Helmarshausen und der Umgebung fotografiert. Mit zwölf Farb-Fotos im Format A4 eignet sich das Werk auch als Bildband und Geschenk zu Weihnachten (8,00 Euro, erhältlich in Helmarshausen).

Übrigens, …

… der Hessische Städte- und Gemeindebund und die Kulturstiftung Hessen-Thüringen erinnern an dieses großartige kulturelle Erbe von Helmarshausen und richten gemeinsam mit der Sparkassen- alle zwei Jahre einen Wettbewerb für zeitgenössische Bibelillustrationen bzw. für Kunstwerke mit biblischen Bezügen aus: Den Herimann-Preis.

 

Mitglied werden und Geschichte erleben

Haben das Museum oder die anderen Aktivitäten des Vereins Ihr Interesse geweckt, so werden Sie doch auch Mitglied im Heimatverein Helmarshausen. Der Jahresbeitrag beträgt zur Zeit 18,50 Euro. Mit Ihrer Mitgliedschaft im Heimatverein Helmarshausen (wie auch der im Heimatverein Bad Karlshafen) unterstützen Sie die für die Heimatgeschichte so wichtige ehrenamtliche Arbeit.

 

Kontakt

E-Mail: heimatverein-helmarshausen@freenet.de.

Webseite des Heimatvereins Helmarshausen: www.heimatverein-helmarshausen.de.

 

Quellen und weitere Informationen

Flyer ‚Museum des Heimatvereins Helmarshausen‘.

Flyer ‚Helmars-Häuser‘.

Schmidt, Hermann: Helmarshausen – Beiträge zur Geschichte der Stadt, der Reichsabtei und der Kunstwerkstätten Helmarshausen, 1986.

Garkisch, Ernst Heinrich: Rückblick auf 1050 Jahre Helmarshausen : nach einem Vortrag über die Benediktiner-Abtei, die spätere Adelsherrschaft und die kommunale Selbständigkeit, anlässlich des 1050-jährigen Bestehens der Stadt, gehalten am 11. Juni 1994, Beiträge zur Geschichte der Stadt Bad Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets, Band 5, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer in Bad Karlshafen, 1995.

Garkisch, Ernst- Heinrich (Hrsg.): Festschrift zur Wiederkehr der Gründung der Reichsabtei Helmarshausen vor 1000 Jahren / mit Beiträgen von E. Brepohl; Hrsg. von E.-H. Garkisch, Beiträge zur Geschichte der Stadt Bad Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets, Band 8, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer in Bad Karlshafen, 1997.

Spernal, Hans Joachim: St. Modoald Schutzpatron der Reichsabtei Helmarshausen – Die Überführung der Reliquien des Heiligen von Trier nach Helmarshausen, Beiträge zur Geschichte der Stadt Bad Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets, Band 9, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer in Bad Karlshafen, 1999.

Suchier, Johannes Bermard Wilhelm: Physikatsberichte 1840-1854 mit Beschreibungen von Karlshafen, Helmarshausen, Trendelburg, Friedrichsfeld, Gewissenruh, Wülmersen, Langenthal, Deisel, Stammen, Lippoldsberg, Beiträge zur Geschichte der Stadt Bad Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets, Band 6, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer in Bad Karlshafen, 1996.

 

Fotonachweis

Fotos 1, 6: Heimatverein Helmarshausen

Fotos 2-5: Christian Schneider