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Mach mit beim Volkswandertag!

Eine große Menschenmenge hatte sich am Hafenplatz versammelt. Es war ein kühler Tag, doch wenigstens regnete es nicht. Die gut fünfhundert Menschen trugen festes Schuhwerk und hatten Wanderkleidung angezogen; einige hatten Stöcke, andere nicht. Was sie jedoch einte, war, dass sie eine wahlweise leuchtend-grüne, leuchtend-gelbe oder gar leuchtend-rote Plakette deutlich sichtbar am Revers oder an der Jacke trugen. Manche hatten das Erkennungsmerkmal des Zweiten Bad Karlshäfer Volkswandertages auch an ihrem Hut oder ihrer Mütze angebracht. Diese Plaketten waren der Nachweis dafür, dass man die Startgebühr entrichtet hatte und damit berechtigt war, in einer von drei Touren den Reinhardswald und Teile des Sollings zu erkunden.

Man wartete auf den Bürgermeister, der eigentlich pünktlich um zehn Uhr vor die Menschen treten sollte. Viel erwarteten sie nicht von seiner Rede – gerade weil er im letzten Jahr eine geschlagene halbe Stunde zu den Wanderfreunden gesprochen hatte. Nur stand er an jenem Morgen geschützt unter den Bögen des Rathauses, während die damals immerhin auch schon mehr als dreihundert Wanderlustigen im Sprühregen stehen mussten.

Ein Grummeln nahm in den ersten Reihen seinen Anfang und pflanzte sich in Windeseile nach hinten fort – jemand hatte ihn erblickt. Oder zumindest gemeint, ihn gesehen zu haben. Und in der Tat, Bürgermeister Müller trat vor das Pult. Ein Pfeifen aus den links und rechts des Rathauses aufgestellten Lautsprecherboxen ließ die Menschen zusammenfahren.

»Sorry, Freunde.«

Er kruschtelte noch ein einmal an seinem Mikrofon, dann begann er die mit mehr oder weniger Spannung erwartete Rede.

»Guten Morgen, liebe Wanderfreundinnen und Wanderfreunde, ich freue mich, dass Sie heute so zahlreich erschienen sind. Im Vergleich zu vergangenem Jahr konnten wir die Zahl der angemeldeten Teilnehmer von dreihundertneunzehn auf fünfhundertfünfzig fast verdoppeln. Und zum Glück hat es Petrus ja heute gut mit uns gemeint.«

Er machte eine kleine Pause. Die Menschen lachten, sie waren ihm also nicht mehr böse wegen der langen Rede im letzten Jahr.

»Bevor ich auf die Formalitäten eingehe und die verschiedenen Wanderstrecken erläutere, lassen Sie mich zunächst einmal über Geld sprechen.«

Ein Raunen ging durch die Menge. Das Thema war für die Leute immer noch unangenehm; nur mit Mühe war man auf dem Kurs, aus dem Rettungsschirm des Landes entlassen zu werden.

»Keine Angst, Freunde, ich will euch keine neuen Hebesätze unterjubeln. Die heutigen Verlautbarungen sind ganz und gar positiv: Von den von euch entrichteten Startgeldern wandern ja nach gewählter Strecke zehn, zwanzig oder dreißig Euro in einen großen Topf, um die Attraktivität der Stadt und ihrer Umgebung weiter zu steigern. Ich darf allen hier heute sagen – viele werden es bereits wissen, ich kenne ja den Flurfunk im Ort – dass die Koordinationsgruppe, bestehend aus Abgeordneten der Gemeindevertretung, der Heimatvereine, des Bürgervereins Karlshafen-Helmarshausen, der Bad-Karlshafen-Stiftung und der Bad Karlshafen GmbH, sich darauf verständigt hat, dem alten Wanderpass wieder Leben einzuhauchen. Ab dem kommenden Jahr wird es also aufs Neue möglich sein, die bronzene, die silberne und die goldene Wandernadel zu erwandern.«

Applaus kam auf. Der Bürgermeister machte eine künstliche Pause und genoss merklich die – wenn auch schüchternen – Ovationen. Dann hielt er ein hellgrünes Heft in die Höhe.

»Hier seht ihr die erste Version der Sieburg-Wandernadel. Wir werden in den kommenden zwölf Monaten die Strecken in Schuss bringen und auch wieder Stempelstellen einrichten. In dieser Hinsicht sind wir natürlich auch auf eure Hilfe angewiesen: Wir brauchen Freiwillige, die die Wege in Ordnung bringen und somit bewanderbar machen. Wir würden dazu – ein Vorschlag des Bürgervereins – gerne einen Wanderverein gründen, der nicht nur die Wege pflegt, sondern auch zukünftig die Organisation des Bad Karlshäfer Volkswandertages übernimmt. Freiwillige können sich ab sofort in der Kur- und Touristikverwaltung der Stadt Bad Karlshafen anmelden.«

Der Bürgermeister bemerkte die aufkommende Unruhe, deshalb fuhr er schnell fort:

»Wir ihr alle wisst, gibt es drei Wanderstrecken, die es heute zu bewältigen gilt. Und egal, welche Strecke ihr wandert, jeder von euch ist für mich jetzt schon ein Gewinner. Die erste und kürzeste Strecke führt den Triftweg hinauf und über den Herbert-Mager-Weg zum Charlottenstein. Von da aus geht es über den neugestalteten Hermann-Löns-Platz zur Schutzhütte Königsberg. Am Jugendgästehaus Helmarshausen vorbei lauft ihr dann gemeinsam hinunter in den Ort. Über den Sonnenweg kehren die Wanderer der ersten Gruppe wieder zurück nach Bad Karlshafen. Alle anderen laufen durch den Ort und hinauf zur Krukenburg. Am Waldrand entlang geht es an Carlsplatz und Juliushöhe vorbei zum Hugenottenturm. Gehen alle zusammen noch bis zum nahegelegenen Sängertempel, führt Wanderstrecke 2 den neu hergerichteten Weg über Deichmannsgrotte hinab zur B 83 und wieder nach Bad Karlshafen zurück. Die ganz hart Gesottenen wandern über das Dreiländereck weiter nach Herstelle. Dort setzen sie mit der Fähre über nach Würgassen, wo sie den Weg zum Weser-Skywalk in Angriff nehmen. Über den Klippenweg kehren Sie nach Bad Karlshafen zurück.«

Er machte eine kurze Pause, um seine Worte wirken zu lassen.

»Habt ihr dazu Fragen?

Als sich niemand meldete, fuhr er fort:

»Ich danke ganz herzlich denjenigen, die diese herrliche Einrichtung des Volkswandertages mit ihren großzügigen Spenden möglich gemacht haben. Einen herzlichen Dank auch an die Jugendfeuerwehren der beiden Ortsteile, ohne deren logistische Unterstützung eine Veranstaltung wie diese nicht möglich wäre. Mein Dank geht auch an all die engagierten Menschen namentlich aus der Gemeindevertretung, den Heimatvereinen, dem Bürgerverein, der Bad Karlshafen-Stiftung und der Bad-Karlshafen-GmbH. Nicht zuletzt möchte ich meinem Mitarbeiter, Herrn Klaus Deventer, danken, bei dem immer alle Drähte zusammenliefen und der mich stets auf dem Laufenden gehalten hat.«

Bürgermeister Müller bemerkte abermals die Unruhe in der Menge; sie wollte endlich loslaufen.

»Eines noch, bevor ihr gleich den Triftweg hochstürmt: Jede Tour wird von sogenannten Wanderführern begleitet. Sie werden sich unter die Wanderer mischen und dafür sorgen, dass sie gleichmäßig im Feld verteilt sind. An sie könnt ihr euch wenden, wenn ihr ein Problem habt oder nicht mehr weiterkönnt. Ihr erkennt sie an den orangefarbenen Westen.«

Ein Mitarbeiter reichte dem Bürgermeister eine hölzerne Kiste, aus der dieser eine schwarze Schreckschusspistole entnahm.

»Mögen euch Stock und Stein nicht brechen euer Gebein!«

Der Schuss knallte, so manch einer rieb sich danach das Ohr. Nach einem zünftigen »Auf geht’s!« setzte sich die Menschenmenge in Bewegung. Der Tross stockte bereits wenige Sekunden später, da als erstes Hindernis der Strecke die Teufelsbrücke als Nadelöhr überwunden werden musste.

*

Stephan und Sabine waren schon ganz schön am Schnaufen, vielleicht hatten sie den steilen Triftweg doch unterschätzt. Doch so schlimm war das auch wieder nicht, schließlich hatten sich die beiden für heute nicht so viel vorgenommen, lediglich die kleine Strecke stand für sie auf dem Programm.

»Mensch, wenn ich das gewusst hätte!«

»Du musst ja auch nicht wie der gedopte Lance Armstrong an seinen besten Tagen den steilen Berg heraufstürmen.«

Sabine hatte ja recht, daher war seine Erwiderung leidlich schwach: »Man wird halt nicht jünger.«

Stephans Frau war mittelgroß und hatte im Gegensatz zu ihm eine wenigstens halbwegs sportliche Figur. Hatte sich der »vollbärtige Waldschrat«, als den ihn seine Frau ab und an bezeichnete, in seinen alten Joggingschuhe gequält, so trug Sabine – »Maja« als direkte Antwort auf den »Waldschrat« – ihre neuen Bergschuhe. Auch hatte sie extra die schwere Wanderjacke imprägniert, man konnte ja nie wissen. In ihr war es ihr nun aber zu warm, darum zog sie sie lieber aus. Sabine ging oft und gerne wandern, im Gegensatz zu Stephan. Daher lief sie oft ohne ihren Mann, aber mit den beiden Hunden, stundenlang durch den Wald und erkundete die vergessenen Orte und verlorenen Wege in Reinhardswald und Solling. Ihr war es unter anderem zu verdanken, dass der längst verfallene Hermann-Löns-Platz nun wieder in alter Schönheit bestand und es sogar Hinweisschilder an den beiden Zuwegen gab.

Sabine hielt an und der einen Meter hinter ihr laufende Stephan lief auf sie auf.

»He, was ist los?«, grummelte er etwas säuerlich.

»Hier müssen wir jetzt links rein.« Sie wies mit der Hand in die entsprechende Richtung.

»Dann muss das hier nun der Herbert-Mager-Weg sein?«

»So sagt man«, antwortete »Maja«.

»Ich hab es ja schon wieder vergessen, aber wer war dieser Herbert Mager noch mal? Und warum bekommt er hier oben im Wald seinen eigenen Weg?«

Sie gingen zunächst an der Schranke vorbei, bevor sie ihm antwortete. »Das Erste kann ich dir sagen, das Zweite nicht.«

»Jetzt mach’s nicht so spannend!«

»Herbert Mager war ein expressionistischer Landschaftsmaler, der lange in Karlshafen gelebt hat. Er hat unter anderem den Fahlenberg in Helmarshausen, eine Stadtansicht von Bad Karlshafen, den Hugenottenturm mit Sängertempel, die Juliushöhe und die Krukenburg gemalt. Nicht zu vergessen sein Bild vom Haus Alt Carlshaven«.

»Noch nie gehört.«

»Das wundert mich nicht, wenn du immer nur Fußball guckst und Bildzeitung liest. Aber du hast Glück, es soll in nicht absehbarer Zeit hier in Karlshafen eine Ausstellung über den Maler Herbert Mager geben.«

»Eine Ausstellung, hier in Karlshafen?«

»Ja, seitdem das Hugenottenmuseum und das Heimatmuseum wieder so gut laufen, hat man sich entschlossen, die meist in Privatbesitz befindlichen Werke von Herbert Mager einmal an einem Platz zu konzentrieren und sie auszustellen. Und wo könnte das besser als hier in Bad Karlshafen stattfinden?«

»Wo soll das denn sein?«

»Zuerst wollten sie den letzten noch leerstehenden Laden in der Weserstraße dafür nutzen. Aber aus Sicherheitsaspekten nehmen sie nun doch den Ausstellungsraum im Hugenottenmuseum.«

»Wann fängt denn die Ausstellung an?«

»Zunächst sollte sie am 1. Juni 2018 eröffnet werden, auf den Tag genau zum 130. Geburtstag des Malers.«

»Aber?« Stephan kratzte sich am Kopf – etwas, was er immer tat, wenn er nachdachte.

»Aufgrund der schwierigen Gespräche mit den Eigentümern kann sich das Ganze noch um ein, zwei Jahre verzögern.«

»Ich …« Doch, bevor Stephan widersprechen konnte, fiel sie ihm ins Wort.

»Es soll sogar ein paar begleitende Veranstaltungen geben. Vermutlich auch einen Filmabend mit der Aufführung des Dokumentarfilms vom Hessischen Rundfunk – mit anschließender Gesprächsrunde.«

»Woher weißt du das alles nur?« Wieder kratzte sich Stephan am Kopf. Er konnte sich das einfach nicht vorstellen.

»Du solltest mal unser Kulturblättchen lesen. In der ersten Ausgabe vom Quartal 2018 gab es einen ausführlichen Bericht über den Maler und seine Bilder. Außerdem habe ich mit Christina gesprochen, die ist seitens der Stadt Projektleiterin.«

»Den Artikel hab ich nicht gesehen«, gab Stephan kleinmütig zu.

»Kein Wunder – wenn du immer deine Kickerhefte auf dem Tisch liegen lässt und das Blättchen darunter begräbst.«

Sie hatten sich so angeregt unterhalten, dass sie fast die Abzweigung zum Charlottenstein verpasst hätten.

»Das sieht ja hier oben wieder richtig manierlich aus!«

Sabine schluckte, sie wollte doch ihrem Mann nicht schon wieder Vorwürfe machen. »Ja, der Orkan Niklas hat vor drei Jahren den Abendfrieden quasi freigelegt, doch in den letzten Jahren ist das alles wieder ganz ordentlich angewachsen. In ein paar Jahren wird man aber nichts mehr sehen.«

Sabine blieb stehen, nahm ihren Rucksack ab und suchte nach ihrer Wasserflasche. »Mist«, rief sie aus, »jetzt habe ich doch tatsächlich mein Wasser zu Hause auf der Spüle stehen lassen.«

»Endlich einmal etwas, an dem ich nicht schuld bin oder was ich nicht falsch gemacht habe«, dachte sich Stephan im Stillen. Doch so einfach war das mit Sabine nicht.

»Nur weil du so getrödelt hast, musste es am Schluss so schnell gehen.«

»Es wäre auch zu schön gewesen«, grummelte er vor sich hin.

»Was?«

»Ach nichts.« Stephan hatte keine Lust, sich mitten im Wald und unter all den Leuten mit seiner Frau zu streiten. Stattdessen versuchte er sie zu beruhigen: »Wir haben gleich die Schutzhütte Brandenberg erreicht, da kriegen wir in der schattigen Hütte ein kühles Getränk von der Freiwilligen Feuerwehr.«

»Du weißt aber auch gar nichts: Die Schutzhütte gibt es doch schon lange nicht mehr. Wenn wir Glück haben, steht da heute ein Zelt.«

Stephan grollte weiter, doch sprach er seinen Gedanken nicht aus: »Und wenn ich ein bisschen Glück habe, verknackst du dir kurz vor der Hütte den Fuß und ich kann alleine weiterlaufen.«

Aber diesen Gefallen tat sie ihm nicht.

*

Achim, Christian und Peter warteten gespannt auf die Rede des Vorsitzenden des Heimatvereins Bad Karlshafen, der in diesem Jahr erstmals eine geführte Wanderung anbot, um unabhängig von den Streckenschweinen immer wieder inne zu halten, um an bestimmten Orten die Geschichte eines Bauwerks oder eines Gedenkplatzes zu erläutern. Die erste Station war der Charlottenstein.

Rund fünfzig Personen standen auf dem kleinen Platz vor der künstlichen Ruine. Einige hatten sich ins Gras gesetzt, andere kamen auch schon vom ersten Ausflug aus der Fichtenschonung zurück – zu viel Kaffee am Morgen?

Man wartete noch – zum zweiten Mal an diesem Tag – auf den Bürgermeister, der diesen Weg natürlich auch zu Fuß absolvieren musste. Die Wege waren zwar in Ordnung gebracht worden, doch selbst der Bürgermeister konnte nicht so mir nichts dir nichts vor dem alten Gemäuer vorfahren.

Der Charlottenstein erstrahlte im alten Glanz. Man hatte in den vergangenen zwei Jahren die Treppe repariert, das Geländer erneuert und insgesamt dafür gesorgt, dass das in den letzten Jahren baufällig gewordene Türmchen wieder betreten werden konnte. Heute endlich hatte man das aus Sicherheitsgründen jahrelang im Wind raschelnde rot-weiße Flatterband gegen ein hellblaues, viel feierlicher scheinendes Band ausgetauscht. Wenige Minuten nachdem der Vorsitzende des Heimatvereins seinen Vortrag gehalten (für jede Station waren fünfzehn Minuten vorgesehen) und der Bürgermeister ein paar salbungsvolle Worte gesprochen hatte, würden beide – zünftig und wie es sich für ein Bauwerk mitten im Wald gehört – mit einem Schweizer Taschenmesser das Band durchschneiden und damit die Ruine wieder für die Öffentlichkeit freigeben.

Da endlich kam der Bürgermeister; der Vorsitzende konnte mit seiner Rede beginnen. Er hatte sich oben auf dem Charlottenstein postiert, damit ihn alle gut sehen konnten. Und dank seiner kräftigen Stimme hatte der zirka sechzigjährige Mann keine Schwierigkeiten, gut verstanden zu werden.

»Liebe Freundinnen und Freunde unserer heimatlichen Kultur, ich freue mich ganz besonders, heute die Gelegenheit zu haben, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.«

Er holte tief Luft und schaute mit intensivem Blick durch die Reihen, sodass jeder das Gefühl haben musste, er würde nun persönlich angesprochen.

»Ich freue mich vor allem, dass Bürgermeister Müller heute persönlich hierher gekommen ist, um den Charlottenstein wieder für die Öffentlichkeit freizugeben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sind wir stolz, dass ab heute wieder jeder dieses mittlerweile 93 Jahre alte Bauwerk wird erklimmen können.«

Der Bürgermeister stellte sich vor der Treppe in Pose und winkte der Menge zu. Dazu brachte er sein breitestes Lächeln an den Start. Obwohl er wusste, dass er für die kommenden Minuten erst einmal Sendepause hatte, konnte er sich ein lautes und joviales »Danke!« trotzdem nicht verkneifen.

Der Redner ergriff nun endgültig das Wort: »Versetzen wir uns mal für einen Augenblick zurück in das Jahr 1925: Der Held von Tannenberg, Paul von Hindenburg, wurde in diesem Jahr zum Reichspräsidenten gewählt. Im gleichen Jahr begannen auch die Dreharbeiten des Stummfilmklassikers Metropolis von Fritz Lang. Es war für uns vor allem das Jahr, in dem der 1892 geborene Alfred von der Stein damit begann, den Charlottenstein zu errichten. Warum er es tat, dazu komme ich später. Wie er es tat? Das ist schwer zu sagen. Besucht man auf seinem Sonntagsspaziergang diesen kleinen Aussichtsturm, so kann man sich kaum vorstellen, wie Alfred von der Stein es logistisch fertiggebracht hat, die notwendigen Baumaterialien und Hilfsmittel, wie Baumaschinen und Gerüste, dort hinzubringen. Vor allem mit dem Wissen, dass er nur in den jährlichen Sommerferien an seinem Turm arbeiten konnte. Von der Stein kam ja noch nicht mal hier aus der Gegend, er war Studienrat am Helmholtz-Gymnasium in Essen. Begonnen hat er, wie bereits erwähnt, im Sommer 1925. Es ist nicht überliefert, ob er wirklich jeden Sommer an seinem Charlottenstein weitergebaut hat. Zudem ist nicht sicher, ob er sein Werk 1940 als fertig betrachtet hat. Vielleicht wurden die Arbeiten aufgrund seiner Einberufung in die Wehrmacht auch nur unterbrochen – zu einem Zeitpunkt, an dem er bereits achtundvierzig Jahre alt war. Fortsetzen konnte er seine Arbeit auf jeden Fall nicht mehr; er ist am 31. August 1944 gefallen.

Bevor ich schließlich dazu komme, warum Alfred von der Stein den Charlottenstein errichtet hat, ein Gedanke dazu, was wir uns an ihm für ein Beispiel nehmen sollten: Von der Stein hat damals etwas geschaffen, an dem wir noch heute Freude haben. Das lehrt uns zweierlei: Erstens sollten wir viel öfter den Mut haben, einfach etwas zu machen, anstatt lange darüber zu debattieren. Zweitens, und das halte ich noch für wesentlicher, sollten wir die vorhandenen Reichtümer unserer Gebäude, Straßen und Wälder wie einen Augapfel hüten und sie nicht, wie in den vergangenen Jahren so sträflich geschehen, einfach verkommen lassen.

Kommen wir nun dazu, was Alfred von der Stein dazu bewogen hat, im Reinhardswald zwischen Abendfrieden und Himmelsleiter einen kleinen Aussichtspunkt zu errichten. Ich zitiere dazu die Gedenktafel, die Sie, falls Sie sie nicht kennen, gleich im Vorbeiwandern betrachten können.«

Er nahm einen weiteren Zettel in die Hand und begann zu lesen:

»Erbaut von Studienrat Alfred von der Stein,
Studienrat am Helmholtz-Gymnasium, Essen.
GEB. 15.8.1892 – GEF. 31.8.1944
Während der Schulferien von 1925-1940
Benannt nach seiner Frau Charlotte«

Er hat es also aus Liebe getan. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!«

»Kommt«, sagte Peter zu Achim und Christian, »die feierliche Eröffnung können wir uns schenken.«

»Stimmt, gehen wir lieber zum ersten Getränkeposten an der ehemaligen Schutzhütte Brandenberg. Da bekomme ich vielleicht auch ein Bier.«

»Christian, wieder einmal denkst du nur an das eine.« Dafür stieß Christian seinen alten Kumpel Achim freundschaftlich in die Seite.

Als sie einige Meter entfernt waren, hörten sie noch den Applaus – mitten im Wald. Vermutlich hatten die beiden Großkopferten gerade das Band durchgeschnitten.

»Apropos, wie viele Stationen haben wir denn noch im Begehbaren Volkshochschulkurs Karlshäfer Heimatkunde?

»Mensch Peter, du stellst Fragen. Drei: den Bahnhof in Helmarshausen, den Gedenkstein für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus und den Hugenottenturm.«

»Das hast du dir gemerkt, Christian? Respekt!«

Peter nickte, er war wohl der gleichen Ansicht.

»Jetzt tut mal nicht so, als hättet ihr die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ihr könnt hier sicherlich auch noch etwas lernen.«

»Is ja gut.« Doch gleich hellte sich seine Stimmung auf. »Mensch, die haben ja tatsächlich Bier hier.«

»Ja, nobel geht die Welt zugrunde.« Peter musste immer das letzte Wort haben.

*

Sylvia, Carsten, Nina und Bettina Hauptmann waren gerade am Jüdischen Friedhof in der Gottsbürener Straße vorbeigelaufen und standen vor dem sonntags geschlossenen Edeka-Markt.

»Nina und ich gehen zurück, wir haben keine Lust mehr.«

»Pubertierende Mädchen, was habe ich dir gesagt.«

Sylvia schaute auf ihren Mann, leider musste sie ihm recht geben. Immerhin hatten sie nicht schon am ersten Berg schlappgemacht.

»Gut«, sagte sie zu den beiden vierzehn- und fünfzehnjährigen Mädchen, »ihr dürft hier abbrechen. Und das, obwohl ihr unbedingt die lange Tour wandern wolltet. Aber das ist euer gutes Recht, schließlich soll sich keine von euch überanstrengen.«

Bettina, die jüngere, kannte den sarkastischen Ton ihrer Mutter. Da machte sie einen Fehler, den sie mindestens den Rest des Tages auszubaden hatte: »Ich wäre ja noch ein bisschen weitergelaufen, aber Nina hat keinen Bock mehr.«

»Vermutlich will sie zu ihrem Freund«, mischte sich nun auch der Vater wieder in das Gespräch ein, »dieser picklige Mofa-Fahrer mit seinem Bundeswehr-Tick.«

»Aua!« Nina hatte ihre kleine Schwester so fest in die Seite gezwickt, dass sie aufschrie. »Du alte Petze!«

»Ich habe doch gar nichts verraten. So doof sind Mama und Papa nun auch nicht.«

»Ruhe!« Sylvia übernahm das Kommando: »Gut, ihr dürft gehen. Damit Bettina sich nicht langweilt, macht ihr aber etwas zu dritt.«

»Mist!« Die beiden Schwestern wunderten sich, als dies gleichzeitig aus ihrer beider Münder kam.

Als die beiden Schwestern in die Promenade, die später auf den Sonnenweg führte, einbogen, winkte Sylvia ihnen noch einmal hinterher. Doch es war nutzlos; Nina und Bettina waren im schwesterlichen Gezänk allein mit sich selbst beschäftigt. Wild gestikulierten beide mit ihren Armen. Sylvia war so auf ihre Töchter konzentriert, dass sie nicht merkte, dass Stephan und Sabine von hinten angestürmt kamen, um ebenfalls auf die Promenade abzubiegen. »Hoppla«, sprach sie und sprang den beiden aus dem Weg.

Sie hakte sich bei Carsten ein. »Ich glaube, du musst besser auf mich aufpassen.«

»Gut«, sprach Carsten, nachdem sie den Anstieg hinauf zur Krukenburg erreicht hatten, »dann können wir uns ja mal in Ruhe über Bettinas weitere Musikkarriere unterhalten.«

»Gut, dann unterhalte mich mal.«

Mit dieser schnippischen Antwort hatte der Familienvater natürlich nicht gerechnet. Seiner Ansicht nach bot sich die Gelegenheit geradezu an – die Kinder waren nicht in der Nähe und würden sie sicher auch nicht plötzlich überraschen. Mit ihrem Gezeter und mit dem ihnen eigenen wütenden Stechschritt hatten sie inzwischen bestimmt schon den letzten Rastplatz der Tour 1 erreicht, das Schutzhäuschen nahe der Diemel auf halber Strecke zwischen Helmarshausen und Bad Karlshafen.

Die beiden hatten bezüglich der musikalischen Erziehung ihrer jüngsten Tochter schon immer unterschiedliche Ansichten gehabt. Während Sylvia das Talent ihrer Tochter nicht wirklich ernst nahm, war Carsten stets bestrebt, sie nach Kräften zu fördern. Das fiel ihm aus mehrerlei Gründen wirklich leicht: Erstens war seine Tochter eine für ihr Alter hervorragende Pianistin. Zweitens wusste Bettina um ihr Talent und tat auch viel, um jeden Tag besser zu werden. Dafür hatten sie ihr extra ein Klavier gekauft, was ihnen in ihrer finanziellen Lage nicht leicht gefallen war. Einen Sommer konnten sie deswegen nicht in den Urlaub fahren, zudem wurden ihr in diesem Jahr jegliche Geschenke gestrichen. Nina konnte dadurch ebenfalls nicht in den Urlaub fahren und musste sich in puncto Geschenke ebenfalls bescheiden. All das trug selbstredend nicht gerade zum Familienfrieden bei. Hinzu kam, und über diesen Punkt wollte Carsten jetzt mit Sylvia reden, dass Herr Doktor Kämper von der (jetzt wieder) Städtischen Musikschule ihnen empfohlen hatte, Bettina auf ein Musikinternat zu schicken. Sie war in Bad Karlshafen mit Abstand die beste Schülerin und hatte bei den regelmäßigen Konzerten schon oft die Gelegenheit gehabt, als Solistin aufzutreten. Die Musikschule hatte ihre Sache wirklich gut gemacht, doch für Bettinas weitere Karriere konnten sie dort nicht mehr viel tun.

Erst in der letzten Woche hatten sie ein langes Gespräch mit Doktor Kämper – teilweise im Beisein von Bettina. Er hatte sie vor ihren Eltern ausdrücklich gelobt und ihre Bedeutung für den Ruf der Musikschule betont. Doch ginge es, so Kämper wörtlich, darum, was für das Mädchen das Beste sei: »Wir werden sie schmerzlich vermissen, sie ist mit ihren vierzehn Jahren bereits ein echter Publikumsmagnet, auf den wir natürlich nur ungern verzichten möchten. Doch was wir noch weniger wollen, ist, so einem Ausnahmetalent im Weg zu stehen. Sie wird es uns sicher danken und gerne später das eine oder andere Konzert für uns geben.«

»Klar, mach ich gerne«, hatte Bettina daraufhin zur Antwort gegeben.

Doktor Kämper lächelte. Dieses Lächeln wusste Carsten nicht zu deuten – war es die Angst, eine so gute Schülerin zu verlieren oder war es der Ausdruck ehrlicher Freude für seine Musterschülerin?

Bald darauf wurde Bettina gebeten, sein Büro in der Musikschule zu verlassen – den Rest mussten die Erwachsenen unter sich besprechen. Carsten hatte ihr fünf Euro gegeben, damit konnte sie bei Vico in der Eisdiele einen Milchshake trinken gehen.

Doktor Kämper hatte den Eltern die Max-Rill-Schule in Schloss Reichersbeuern in Bayern empfohlen. Dort konnten die Schülerinnen und Schüler zwischen einem musischen und einem sozialwissenschaftlichen Zweig (Modellgymnasium in Bayern) wählen. Ergänzt wurde der gewählte Zweig durch »ein breites Gildenangebot in Sport und Theater sowie im kreativen und sozialen Bereich«.

Nach Abschluss des Gesprächs vor gut einer Woche hatten sich Sylvia und Carsten keinen Millimeter in Richtung einer Entscheidung bewegen können, obwohl sie weiterhin jede ungestörte Minute darüber diskutiert hatten.

Plötzlich – sie waren bereits am Carlsplatz angelangt – blieb Sylvia mitten auf dem Weg stehen, Carsten sah, wie sie tief Luft holte, er machte sich nun auf das Schlimmste gefasst. Er spürte einen Tropfen über seine Stirn laufen. Schnell wischte er ihn ab, bevor die salzige Flüssigkeit sein rechtes Auge erreichen würde.

»Ich mache mit.«

»Was?«

»Ja, ich gebe mich geschlagen.«

»Wie kommt es zu diesem Sinneswandel?«

»Ich möchte Bettina nicht im Weg stehen. Aber es gibt eine nicht verhandelbare Bedingung.«

»Was willst du?«

»Du musst wieder Vollzeit arbeiten gehen.«

»Aber …«

»Nichts aber!«

»Und was ist dann mit meinem Roman?«

»Den wirst du dann zurückstellen müssen.«

»Eine harte Bedingung.«

»Was ist dir wichtiger, das Wohl deiner Tochter oder deine Selbstverwirklichung?« Sie hatte das Argument gebraucht, da sie wissen musste, dass er ihr hier nichts entgegenzusetzen hatte. Carsten tat einen tiefen Seufzer.

»Gut, ich gebe mich geschlagen. Und was ist mit Nina?«

»Die eine hat das Klavier, die andere den pickligen Mofa-Fahrer.«

Carsten lachte.

*

Peter hatte seine Exfreundin Sylvia zehn Minuten zuvor noch gegrüßt, als er mit seinen Freunden am Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus an der Krukenburg auf den Vorsitzenden des Heimatvereins wartete. Doch Sylvia hatte ihren Exfreund nicht gesehen, zu sehr schien sie in die Diskussion mit Carsten, diesem schnöseligen IT-Manager, vertieft. Einen ganz kurzen Moment war er froh, dass es mit ihm und der temperamentvollen Sylvia nicht geklappt hatte – sie waren wohl doch zu verschieden.

»Na, dann nicht.«

»Hä?«, fragte Christian, der den Vorbeimarsch von Peters Ex nicht mitbekommen hatte.

»Ach nichts.« Schnell wechselte er das Thema. »Schaut, da kommt der Herr Professor ja endlich.«

»Der Guteste ist ja vollkommen außer Atem. Aber warum hat er vom alten Bahnhof hier rauf so viel länger gebraucht als wir?«

»Der hat bestimmt erst einmal im Deutschen Haus ein Bier getrunken.« Christian grinste.

Das Opfer des Spotts der drei Freunde hatte gerade das Pult erreicht, als es kurz innehielt.

»Mensch, is der alle.«

Der Spruch war mal wieder typisch Peter. Der Einzige, der sich ruhig verhielt, war Achim. Er war neugierig – gerade auf diesen Vortrag. Das hatte er die anderen schon lange vorher wissen lassen.

Nun endlich begann der Vortrag. Der Redner sprach über den Weg der jüdischen Mitbürger, die aus Karlshafen kommend jeden Sabbat hier vorbeigekommen waren, um zur Synagoge nach Helmarshausen zu gelangen. Aus diesem Grund war im Frühjahr 2015 der Gedenkstein für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus genau an dieser Stelle errichtet worden. Er lud seine Zuhörer abschließend ein, ruhig einmal das Gebäude, in dem sich die Helmarshäuser Synagoge damals befunden hatte, zu suchen. Ebenso empfahl er ihnen, auch einmal dem gut erhaltenen jüdischen Friedhof an der Gottsbürener Straße einen Besuch abzustatten.

Mit einem »Shalom« beendete er seine Rede.

Der Tross bewegte sich weiter.

*

»Weißt du schon, worauf ich mich wirklich freue, Gabi?«

»Nee, aber es hat bestimmt etwas mit Essen zu tun.«

»Wie? Ich glaube, du kennst mich einfach schon zu gut.«

Gabi warf ihrem Thomas einen kecken Blick zu, wie so oft, wenn sie über die Unbeholfenheit ihres Mannes lachen musste. Sie liefen gerade am Hugenottenturm vorbei, wo sich schon die ersten Zuhörer für den kommenden Vortrag über Johann Josef Davin, den Stifter des Hugenottenturms, versammelt hatten. Sie erkannten den Vorsitzenden des Heimatvereins, der bereits eingetroffen war und nun noch einmal, für alle sichtbar, auf dem Balkon seine letzte Rede durchging.

Thomas blieb einen Moment stehen. »Ob das Rocky-Bild immer noch da ist?«

»Bestimmt«, antwortete ihm seine Frau. »Aber heute werden wir das wohl nicht in Erfahrung bringen können. Da ist kein Durchkommen.«

»Du glaubst doch wohl nicht, dass du mich in absehbarer Zeit nochmal hier hochkriegst?«

»Schaun wir mal.«

Hier setzte Gabi ihr verführerisches Lächeln auf, das ihm bewusst machte, dass Widerstand vermutlich zwecklos war. Wollte seine Frau wirklich Rocky besuchen, so würde er ihr wohl folgen müssen. Sie hatte da so ihre Mittel und Wege.

»Weiß man eigentlich, wer diesen Rocky mit Kohle und einem Durchmesser von zwei Metern in den Hugenottenturm gezaubert hat?«

Eigentlich hatte Gabi jetzt keine Lust, mit Thomas weiter über Rocky zu sprechen. Daher versuchte sie, das Gespräch abzukürzen: »Wer sagt dir denn, dass das Rocky ist, vielleicht ist es ja auch Rambo?«

»Auf jeden Fall ist es das Abbild von Sylvester Stallone.«

»Das bestreitet ja auch keiner.« Plötzlich spürte Gabi ein überaus angenehmes Kribbeln im Bauch – ob das Kribbeln wohl irgendetwas mit der Vorstellung des jungen und knackigen Rocky Balboa in seinen kurzen Boxershorts zu tun hatte?

»Tommilein, was meinst du, wollen wir nicht abbrechen und gleich rechts zum Sängertempel abbiegen?«

»Warum sollten wir das tun? Oben am Dreiländereck wartet schließlich eine Bratwurst mit meinem Namen drauf!«

»Ich hab da so eine Idee.« Sie machte eine dramaturgische Pause, sie wollte ihn zappeln lassen. »Vorschlag: Wir gehen jetzt direkt über Sängertempel und Deichmanns Grotte hinunter zum Auto und sind in spätestens einer halben Stunde zu Hause. Was meinst du, Schatz?«

»Jetzt habe ich also die Wahl zwischen Bratwurst und einem Schäferstündchen – das ist gemein!«

»Also, Tiger, was ist?« Sie bemühte sich derart, ihre weiblichen Reize in Position zu bringen, dass ein Mann, der sie mit den Fingern an der Unterkante ihres kurzen Tops auf der nackten Haut herumnesteln sah, ins Stolpern kam. Noch drei Kurven später, vierzig Meter entfernt, machte die neben ihm laufende Frau ihm deswegen lautstark Vorhaltungen.

Thomas musste Zeit gewinnen. »Lass uns erst einmal zum Sängertempel gehen, da stehen wir den anderen wenigstens nicht so im Weg.«

»Gut, aber beeil dich mit deiner Entscheidung, du weißt ja, wie sprunghaft ich in solchen Dingen bin.«

Sie setzten sich auf die Sandsteinmauer des Sängertempels. Sie wusste genau, dass ihr Thomas eigentlich keine Wahl hatte. Würde er weiterwandern wollen, hätte er die kommenden Tage eine ziemlich zickige Gabi zu ertragen. Würde er abbrechen, hätte er großen Hunger, dafür aber wahrscheinlich richtig guten Sex. Plötzlich kam ihr eine Idee, die sie aber ebenso schnell wieder verwarf: ein kleines sexuelles Abenteuer in der freien Natur und danach zur Belohnung eine Bratwurst. Früher hätte sich Gabi vielleicht darauf eingelassen, doch heute waren dazu einfach zu viele Menschen im Wald unterwegs. Jedoch: Liebe am Sängertempel – das hatte schon was –, sowohl in Gabis Vorstellung als auch als Titel für einen billigen Schundroman.

*

»Ihr gehört wohl zu den ganz Harten?«

Jens, ein alter Kumpel von Christian, Achim und Peter, hatte sich von hinten an das Grüppchen herangepirscht, das gerade im Begriff stand, sich einen Platz mit guter Sicht am Hugenottenturm zu suchen.

»Jens Wasser, alter Schwede! Was treibt dich denn hierher?«

»Hab mir gedacht, wenn es hier schon mal so eine große Gaudi gibt, dann sollte ich mir das nicht entgehen lassen.«

»Wo hast du Susanne gelassen?«

»Die wollte nicht mit. Ich konnte sie nicht überreden, dafür ist sie nachher sicher sehr entspannt, wenn sie aus der Therme kommt.« Er zwinkerte mit den Augen.

Peter fiel auf, dass sich Jens in all den Jahren kein bisschen verändert hatte. Schon früher hat er in Sachen Frauen nichts anbrennen lassen. Dass er nun bereits seit drei Jahren mit Susel zusammen war, hatte seine Freunde wirklich überrascht.

In diesem Moment wurden sie unterbrochen – der Heimatvereinsvorsitzende begann seine Rede. »Liebe Freundinnen und Freunde …«

»Wir reden später weiter, wir haben ja noch mehr als fünf Kilometer vor uns.«

Von da an lauschten sie aufmerksam dem Redner auf dem Balkon vor ihnen.

*

Torsten meckerte schon die ganze Zeit vor sich hin, etwas, das Sebastian überhaupt nicht leiden konnte. Es hatte schon beim Frühstück angefangen: Das Ei war zu hart, die Butter auch und außerdem war der Orangensaft viel zu kalt. Aber ihm blieb nicht anderes übrig, er musste heute mit auf die lange Wanderung gehen. Das hatte er Sebastian versprechen müssen, nachdem sie im letzten Jahr als vermutlich erstes schwules Paar ein gemeinsames Schloss auf dem Weser-Skywalk angebracht hatten und heute ihr Jahrestag war. Unter den mittlerweile rund achtzig Schlössern, da waren sie sich sicher, würde das ihre schon nicht auffallen. Da dieser Jahrestag genau auf den Tag des Volkswandertages fiel, war die Sache klar: Sie wanderten mit.

Den größten Teil der Wanderung verbrachte Torsten zu Sebastians Ärger damit, sich über die von ihm gesichteten Mitwanderer aufzuregen. Der Schmidt zum Beispiel, so zeterte er, der hatte damals in der Diskussion um die Hafenöffnung eine komplett andere Meinung vertreten und ihn mit einigen Kommentaren auf Facebook ziemlich hart angegriffen. Zwar wurden diese bereits kurze Zeit später immer wieder gleich gelöscht, doch wusste Sebastian, dass es immer einige gab, die sie trotzdem gesehen hatten. Der Gedanke an diese schlimme Zeit machte Torstens bereits miese Laune noch schlechter, das wusste Sebastian. Er dachte zurück an die Beschimpfungen auf offener Straße oder in irgendwelchen Kneipen. Am Schlimmsten war es auf den beiden Bürgerversammlungen und im Netz gewesen.

Nun spürte auch Sebastian die Wut wieder in sich aufsteigen: Dieser Streit und das kompromisslose Auftreten beider Seiten hatten viel Porzellan zerschlagen und einen tiefen Graben durch die Stadt gezogen. Jung und Alt, Mann und Frau, Karlshäfer und Helmarshäuser – sie alle waren aufeinander losgegangen und taten es zum Teil noch heute – mehr als zwei Jahre später. Sie mieden die Treffpunkte der jeweils anderen. Erst ganz, ganz langsam hatten die Menschen begriffen, dass es keinen Sinn hat, nur gegeneinander zu arbeiten. Wollte man die Probleme der Stadt lösen, so musste man gemeinsam an einem Strang ziehen. Viele, vor allem aus der Verwaltungsspitze und der Ortspolitik, hatten das lange nicht erkannt.

Torsten und er standen damals übrigens auch in unterschiedlichen Lagern und es hatte auch den einen oder anderen Streit gegeben. Einmal war Sebastian so wütend gewesen, dass er sich in sein Auto gesetzt hatte und für eine Woche zu seiner Mutter nach Hannover gefahren war. Aber sie hatten sich wieder berappelt und nach Bekanntgabe des Ergebnisses gemeinsam eine Flasche Champagner am Hafenplatz geleert. In diesem Moment hatten sie bereits schon wieder gemeinsam darüber lachen können, wie die Befürworter der Hafenöffnung ihren 40-Stimmen-Sieg mit einem kleinen Feuerwerk gefeiert hatten.

Nun war die Stimmung in den beiden Ortsteilen merklich besser, auch zwischen Karlshäfern und Helmarshäusern wuchs langsam ein Pflänzchen des Vertrauens heran. Die Extremisten beider Seiten waren im Wesentlichen isoliert und standen durch ihr unsoziales Verhalten außerhalb der Gemeinschaft.

»Da, Herbert Westerbach!«

Sebastian wusste, warum Torsten mit dem Finger auf den ungefähr vierzig Meter vor ihnen laufenden Mann zeigte. Er wusste auch, dass Torsten nach Westerbachs Beleidigungen in der Weser­berglandtherme immer noch sehr wütend auf diesen war. Sebastian schätzte die Gefahr als nicht gering ein, dass Torsten Westerbach nachher auf der Fähre von Bord zu stoßen versuchte. Er liebte Torsten, doch wünschte er sich manchmal etwas mehr Gelassenheit von ihm und dass er weniger nachtragend wäre.

Sebastian rechnete kurz im Kopf zusammen: Über acht Leute hatte er sich bereits aufgeregt, weitere fünf würden sicher noch folgen – also schätzungsweise einer pro Kilometer Wegstrecke –, mal eine andere Art von Wegeinteilung, dachte er bei sich. Dennoch warf er einen verliebten Blick auf den weiter vor sich hinzeternden Torsten.

*

»Ich will nicht auf die Fähre!« Schon bevor die Wanderung losging, hatte Christian gegen die unvermeidliche Weserüberquerung in Herstelle gewettert. Seine Freunde Peter und Achim wussten, dass sie ihn links und rechts würden fassen müssen, um ihn dann mit mittelschwerer Gewalt auf die Fähre zu bringen. Nun war es fast so weit, sie standen am Weserufer. Das Kleeblatt hatte aufgrund des großen Andrangs an Fahrgästen bei einem gleichzeitig geringen Fassungsvermögen der Fähre bestimmt noch zwanzig Minuten am Anleger der Fähre zu warten, bevor sie an der Reihe waren.

Wieder steckten sie in der gleichen Diskussion.

»Du bist wie der Typ vom A-Team, der immer nicht fliegen wollte. Hätten wir das gewusst, hätten wir uns Chloroform besorgt und dich einfach betäubt.« Achim war es, der diesen seiner Ansicht nach passenden Vergleich zog.

»B. A. Schreiber, das hört sich gar nicht so schlecht an, finde ich.«

»Peter, sei ruhig.«

Es war Achim, der seine Freunde durch ein sachliches Gesprächsthema abzulenken versuchte: »Habt ihr eigentlich schon gehört, dass so ein reicher Schnösel aus Hameln das alte Stadtcafé gekauft hat?«

»Tatsächlich, woher weißt du das?«

Achim richtete sich auf, sichtbar wollte er seine Größe betonen. »Ach, Peter – der neue Bürgermeister ist doch mein Schwager, der hat mir das erzählt.«

»Dann ist ja die Stadt bald komplett in fremden Händen – in Anbetracht dessen, was heute schon alles den Holländern gehört.«

»Wir sollten froh sein«, mischte sich der durch das Gespräch abgelenkt scheinende Christian ein, »sie bringen wieder etwas Geld in die Stadt.«

»Und bald kriegen wir hier unseren ersten Albert Heijn; die gibt es in Holland an jeder Ecke. Aber so würde wenigstens das Supermarktproblem der Kernstadt gelöst.«

Sie kamen dem Weserufer näher und näher, bei der nächsten Fahrt würden sie mit dabei sein.

Schnell versuchte nun Peter wieder, Christian in ein Gespräch zu verwickeln.

»Warst du schon einmal in einem Albert Heijn

Christian stockte, er wusste nicht, was er darauf antworten sollte. »Warum fragst du mich das?«

»Ich war neulich im Ruhrgebiet, dort beginnen sie gerade erfolgreich ihren Ostfeldzug.«

Achim mengte sich ein. »Ich will euch ja nicht unterbrechen, aber wir sind dran. Oder wollt ihr den nächsten Kutter nehmen?«

»Nein, läuft!« Christian tat, als hätte er sich mit seinem Schicksal abgefunden.

Achim und Peter ahnten nichts Gutes.

*

»Komm, wir müssen endlich weiter.«

Holger und seine Tochter Angelika hatten eine lange Pause gemacht im Hotel Restaurant Forsthof in Würgassen, kurz vor dem letzten Aufstieg zum Weser-Skywalk.

»Nein, ich möchte noch eine Kugel Schokoeis.« Die Zwölfjährige stützte die Hände in die Seite – ein Zeichen, dass sie es wirklich ernst meinte.

Holger hoffte, dass Christina gleich zurückkommen würde und das Mädchen zur Vernunft bringen könnte. Aber er war auch stolz auf seine Tochter, die bis hierher so gut durchgehalten hatte. Die ganze Strecke war sie neben Holger und Christina gelaufen, ohne die geringsten Ermüdungserscheinungen zu zeigen. Dafür würde sie heute Abend sicher wie tot ins Bett fallen und morgen kaum aus dem Bett zu bekommen sein. Gut, das war dann nicht mehr sein Problem: Während er bei Ernst in Karlshafen blieb, würde Christina die Kleine zurück nach Calden zu ihrer leiblichen Mutter bringen.

»Auf geht’s!« Dieser Aufruf Christinas riss ihn aus seinen Gedanken.

Holger konnte es nicht fassen: Sofort stand Angelika auf, nahm ihren kleinen Rucksack und stellte sich neben ihren Vater. »Kommst du?«, fragte sie. Nun würde er sich den ganzen restlichen Weg fragen, was er eigentlich falsch machte.

»Christina, du kannst zaubern, vor zwei Minuten wollte sie noch eine weitere Kugel Eis.«

»Tja, weibliche Raffinesse wirst du wohl nie begreifen.«

»Das stimmt.«

Sie hatten gerade den halben Weg hinauf zum Weser-Skywalk, der letzten Station vor dem Ziel der Wanderung am Hafenplatz in Bad Karlshafen, geschafft, als Angelika plötzlich zu maulen anfing. »Ich will nicht mehr weiter, jemand muss mich tragen.«

Holger und Christina schauten sich an, beide wussten, dass die kommenden Minuten nun sehr schwierig werden würden – weibliche Raffinesse hin oder her.

Sie versuchten es mit dem Versprechen, bei Vico in der Eisdiele in Karlshafen noch ein Eis zu essen – es half nichts. Vielleicht ein Filmabend am nächsten Wochenende? Keine Chance. Und das Versprechen, am nächsten Wochenende eine große Höhle für die Kleine zu bauen, in der sie dann auch übernachten dürfte – alles vergebens. Dutzende Wanderer zogen im Laufe der Zeit ihres Zwangsaufenthalts an ihnen vorbei – einige grinsten und Holger meinte das »Weißt du noch, damals?« aus ihren Gesichtern ablesen zu können.

Nach einer guten halben Stunde Geheul, Geschrei, Gezeter und sogar Gebeten kam Holger eine Idee: »Ich mache dir den Vorschlag, dass du einen Stein vom Skywalk auf den Zug werfen darfst.« Der verzweifelte Vater war schon so weit, dass er auch vor einer geduldeten Sachbeschädigung nicht mehr zurückschreckte.

»Wirklich, Papa?«

Doch bevor ihr Papa antworten konnte, machte Christina ihrer Entrüstung Luft. »Holger, das kannst du doch nicht machen!«

»Gut, du kannst Brigitte nachher gerne erklären, dass ihre Tochter es vorgezogen hat, an den Hannoverischen Klippen in der Nähe des Weser-Skywalks zu übernachten.«

Christina musste gegen ihre Überzeugung einsehen, dass es wohl keine andere Möglichkeit gab.

»Also gut, einen Stein.«

»Kommt ihr endlich?« Die kleine Angelika war aufgestanden und hatte wieder die Führung übernommen.

Holger und Christina schauten sich erneut überrascht an, woher nahm das Mädchen nur diese Energie? Sie wussten, dass es nach dem Weser-Skywalk in der Hauptsache nur noch bergab ging. Dann würden sie auch keine Probleme mehr haben. Waren sie wieder in der Ebene, würde die Aussicht auf ein zweites Eis als Motivation ausreichen – zumindest hofften sie das. Plötzlich waren sie wieder zuversichtlich.

Christina war neugierig. So versuchte sie auf der verbleibenden Strecke zum Aussichtspunkt in Erfahrung zu bringen, was es mit diesem eigentlich auf sich hatte. »Sag mal, ich dachte, die Stadt hat kein Geld und dann bauen sie so einen bestimmt nicht billigen Aussichtspunkt?«

»Ja, da gab es damals heftige Diskussionen. Dabei waren die Karlshäfer jedoch die lachenden Dritten. Die Menschen in Würgassen und Herstelle waren mehrheitlich gegen die Errichtung, aber aufgrund der EU-Finanzmittel hatten sie neben dem Naturschutz kaum mehr gute Argumente.«

»Woher weißt du das alles?«

»Ingo, einer der Wortführer, hat es mir damals erzählt. Vor allem hat es die Bürger geärgert, dass der Skywalk in Nordrhein-Westfalen liegt und nicht in Hessen.«

»Oh.« Das war eine Mischung zwischen Erstaunen und Anstrengung. Und tatsächlich blieb sie stehen, um sich für einen Moment an einer dünnen Buche festzuhalten. Nach vier, fünf tiefen Atemzügen sprach sie weiter: »Und die Karlshäfer?«

»Sie sind die eigentlichen Nutznießer des Skywalks. Es ist schließlich der zweitschönste Blick auf die Stadt.«

Christina kratzte sich am Kopf und wischte auch gleich noch eine kitzelnde Schweißperle von der Stirn. »Der Zweitschönste?«

»Ja, für mich ist die Aussicht vom Hugenottenturm immer noch der schönste Blick auf die Stadt.«

»Gut, dann freue ich mich schon auf den zweitschönsten Blick auf die Stadt.«

Sie waren angekommen und gingen die letzten Meter zur Plattform hinunter.

*

»Ich habe noch eine Überraschung für euch!«

Christian und Achim schauten zuerst sich und anschließend Peter an.

Christian fragte nach: »Was hast du denn?«

»Überraschung!« Gerne imitierte er bei solchen Gelegenheiten Fränzchen aus dem Bewegten Mann, dazu nutzte er einen deutlich holländischen Akzent.

»Dein Flachmann!« Bei Achim kamen sofort Erinnerungen an ihre gemeinsame Wanderung durch das Karwendelgebirge auf. Nach den vielen steilen Anstiegen war Peters Flachmann stets ihr Lebensretter gewesen, spaßhaft nannten sie den Inhalt gerne ihren »Zaubertrank«.

Christian zögerte jedoch keinen Moment, seine Witze über die Situation zu machen: »Vanillemilch, ich hab´s gewusst. Hast du denn deine Abhängigkeit immer noch nicht überwunden?«

Jetzt wurde es Achim zu bunt: »Warst du es nicht, der vorhin auf der Weser fast die Fische gefüttert hätte? Jetzt halt mal die Füße still.«

Als Peter dem so Gescholtenen den Flachmann reichte, streckte der aber doch seinen Arm danach aus. Zu seiner Überraschung griff er jedoch zunächst ins Leere; Peter hatte die Flasche mit einem breiten Grinsen wieder zurückgezogen. Schließlich gab er sie ihm doch.

Das »Ahhh!« aus Christians Mund kam aus tiefstem Herzen.

Achim hatte sich, nachdem er getrunken hatte, bequem an einen der Felsen gelehnt. Genüsslich betrachtete er das bunte Treiben auf der Plattform und um sie herum: Er beobachtete zwei Männer, die Händchen haltend ein kleines, weinrotes Vorhängeschloss am Geländer der Plattform betrachteten. Eine Frau, die in männlicher Begleitung auf dem Skywalk angekommen war, flirtete sichtbar mit jedem männlichen Wesen, das ihr in den Weg kam. Ihr Begleiter hingegen, in seiner hellgrauen Jeans, seinem hellblauen Poloshirt und einer weißen Schirmmütze, zog nur ein langes Gesicht.

»Du hattest deine Chance, aber du wolltest ja unbedingt weiterwandern«, hörte er sie sagen.

Er wartete gespannt auf den Moment, in dem die Frau – übrigens in ihrem roten Top und den kurzen Hosen sehr nett anzuschauen – ihn und seine Freunde erreichte. Sicher würde Peter sich die Gelegenheit zu einem Flirt nicht entgehen lassen. Er wurde von den langen Beinen der Frau abgelenkt, als ein Mann rechts von ihm zu schimpfen begann.

»Nur diesen einen Stein. Wir hatten abgemacht, dass du nur einen Stein herunterwerfen darfst.«

Das kleine Mädchen antwortete beleidigt: »Ich muss doch üben, damit ich nachher den Zug treffe.«

Weinend zog die Kleine ab – eine Frau, vermutlich die Mutter, lief ihr hinterher. »Angelika!«

Achim war überrascht von so viel liberaler Erziehung. Das hätte er sich früher mal erlauben sollen.

»Los, du Träumer, lass uns weiterziehen.«

»Gleich«, antwortete Achim automatisch, »ich komme gleich.«

Er wollte nur noch wissen, was aus der hitzigen Amazone und ihrem Schlumpf geworden war und schaute sich um. Da sah er sie hinter einem Baum stehen, wild mit ihrem Begleiter knutschend. Siehste, geht doch, dachte Achim und stand auf, um seinen Freunden zu folgen.

*

Sylvia und Carsten sahen, auf einem Felsen sitzend, auf den Ort hinab. Carsten saß hinter seiner Frau und hielt sie fest im Arm. Während sie sich zärtlich zurücklegte, blickte er über die weißen Barockbauten und war einmal mehr von der fernen Schönheit der Stadt begeistert. »Ich werde über diese Stadt schreiben – und wenn es bis zu meiner Rente dauert«, dachte er.

In diesem Augenblick drückte Sylvia seine Hand. »Ich möchte dein Buch aber als Erste lesen dürfen.«

Sie schien seine Gedanken erraten zu können …

– ENDE –

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