Jüdische Geschichte in Karlshafen und Helmarshausen – Teil 2: Gedenken in Bad Karlshafen

Im zweiten Beitrag über die jüdische Kultur in den Ortsteilen möchte „Trefffpunkt Hafenmauer“ an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Bad Karlshafen erinnern. 1933 betrug die Anzahl der jüdischen Einwohner in Bad Karlshafen 33, in Helmarshausen waren es zur gleichen Zeit 10.

Ein Vorschlag für einen Gedenk- und Erinnerungsspaziergang führt zu den einstigen Wohnhäusern der jüdischen Familien in Karlshafen während der Zeit des Nationalsozialismus. „Stolpersteine“ gibt es im Ort leider noch keine, doch anhand der Aufzeichnungen von Bernhard Schäfer, Magda Thierling und Meta Frank (siehe Quellenhinweise) kann man das Schicksal der jüdischen Bürger der Stadt in dieser dunklen Zeit gut nachvollziehen und ein Gedenken ermöglichen.

„Vergessen führt in die Verbannung. Erinnerung jedoch ist das Geheimnis der Erlösung“ (jüdisches Sprichwort auf der Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus aus Bad Karlshafen).


Gedenkspaziergang durch Bad Karlshafen

Hafenplatz – Conradistraße – Carlstraße – Weserstraße – Weserbrücke – Unter den Eichen – Weserbrücke – Weserstraße – Hafenplatz

Vom Hafenplatz geht es über die Teufelsbrücke in die Conradistraße Nummer 2, hier wohnte die Familie von Dr. Paul Richard Brück (*1893). Hier ist nur sein Schicksal bekannt, er wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Über das Schicksal der übrigen Familienmitglieder ist nichts bekannt.

In Richtung Carlstraße und über sie hinweg führt uns der Weg nach rechts in die Carlstraße 16, in der damals die Familie Abraham Hohenberg gelebt hat. Abraham Hohenberg konnte das Land verlassen und lebte bis zu seinem Tod 1947 in Israel. Henriette Hohenberg (*1885) wurde nach Warschau deportiert und gilt nach der Inhaftiertierung im dortigen Ghetto als verschollen.

Weiter in Richtung Weserstraße und auf der gegenüberliegenden Straße wohnten in der Carlsstraße 5 die Familie Gustav Königsthal sowie Adolf Levy und Kurt Rinteln. Gustav Königsthal gelang mit seiner Frau die Flucht, sie emigrierten 1936 nach Palästina. Über das Schicksal von Adolf Levy und Kurt Rinteln ist nichts bekannt.

Im Eckhaus (Carlstraße 1) lebte die Käthe Katz (*1900), sie wurde 1943 in Auschwitz ermordet.

Direkt nebenan (Weserstraße 4) Familie Isidor Klingenthal. Isidor Klingenthal emigrierte noch 1941 in die USA. Ella Goldschmidt (*1889, geborene Königsthal), Martha Königsthal (*1881) und Selma Königsthal (*1883) wurden im Dezember 1941 nach Riga deportiert. Ihre Spuren verlieren sich im dortigen Ghetto. Meta Kessler, (*1884) geborene Königsthal) wurde 1942 nach Majdanek/Solibor deportiert. Frieda Kugelmann (*1878, geborene Königsthal) starb in Auschwitz. Paula Cohen (* 1888, geborene Königsthal) zog mit ihrem Mann nach Essen, wo beide 1941 Selbstmord begingen. Frederike Kessler (*1896, geborene Königsthal) wurde 1942 nach Treblinka deportiert.

Schräg gegenüber in der Weserstraße 11 befand sich das Geschäft von Käthe Katz, direkt daneben lebten Familie Albert Hohenberg, Gerda Plaut und Iwan Kleeblath. Albert Hohenberg ist 1938 mit seiner Frau nach Uruguay emigriert. Therese Marienthal (*1881, geborene Hohenberg) wurde 1942 deportiert. Gerda Plaut konnte in die USA emigrieren. Über das Schicksal von Iwan Kleeblath ist nichts bekannt.

Es geht die Weserstraße in Richtung Hafen und weiter bis zur Friedrichstraße 2, wo damals Familie Dr. Julius Heilbrunn gelebt hat. Die vierköpfige Familie konnte in die USA emigrieren.

Auf der anderen Straßenseite in Richtung Weserbrücke (Weserstraße 9) folgt die Wohnung von Familie Max Michelsohn und Franziska Wichelhausen. Max Michelsohn (*1875) und Frieda Michelsohn (*1882, geborene Haas) wurden 1943 nach Riga deportiert. Franziska Wichelshausen konnte 1934 nach Palästina emigrieren.

Der weitere Weg führt über die Weserbrücke zur Straße Unter den Eichen 3, wo damals die Familie Erich Rose gelebt hat. Erich, Emma, Günther und Ingeborg Rose sind in die Niederlande emigriert, Hildegard Rose in die Tschechoslowakei.

Es geht auf dem gleichen Weg wieder zurück zum Hafenplatz.

Dauer: Circa 50 Minuten.

Hinweis: Leichter Weg.

Quellen und Anregungen zum Weiterlesen

Thierling, Magda: Vergessene Geschichte – Jüdisches Leben in Helmarshausen und Karlshafen, Reihe „Beiträge zur Geschichte der Stadt Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets, Band 17, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshafen, 2011.

Schäfer, Bernhard (Hrsg.): Unsere jüdischen Mitbürger in Karlshafen – Austreibung und Leidensweg unter dem Naziregime, Reihe ‚Beiträge zur Geschichte der Stadt Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets‘, Band 3, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshafen, 1993.

Frank, Meta: Shalom, meine Heimat – Lebenserinnerungen einer hessischen Jüdin 1914-1994, Reihe „Die Geschichte meiner Heimat“, Band 17, herausgegeben vom Verein für hesische Geschichte und Landeskunde, Hofeismar, 1994.

Synagoge Helmarshausen:
www.alemannia-judaica.de/helmarshausen_synagoge.htm.

Persönliche Auskunft vom Heimatverein Bad Karlshafen.

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