Sonntagsaktivitäten in und um Bad Karlshafen: Der April

Der April bietet nicht nur ein hoffentlich geruhsames Osterwochenende, sondern gibt uns die Möglichkeit, an weiteren drei Sonntagen Natur und Kultur rund um die Ortsteile zu erkunden.

Auch diesmal gibt es wieder besondere Dinge zu entdecken: Wir gehen nicht über sieben, immerhin über fünf Brücken Karlshafens,  entdecken den Wanderweg K9 mit Weser-Skywalk und Ausgrabungsstätte Schmeessen, besuchen das Deutsche Hugenotten-Museum und machen natürlich auch wieder einen ‚Lohnenden Umweg‘.

Viel Spaß bei allen Unternehmungen!


Vorschlag 1: Brückentour (Weser, linkes Ufer)

Treffpunkt Hafenmauer – Teufelsbrücke – Conradistraße – Lazarettbrücke – Carlstraße – Weserstraße – Wilhelmsbrücke – Diemelhöhe – Diemelbrücke – Unter dem Königsberg – Am Reservoir – Schützenallee – Lutherstraße – Am Hafenplatz – Weserstraße – ehemalige Drehbrücke – Treffpunkt Hafenmauer

Es gab früher zahlreiche Brücken in Bad Karlshafen, die meisten ihnen sind heute in die Straßenbebauung integriert und damit nicht mehr existent. Es lohnt jedoch, sich ihre Existenz einmal ins Gedächtnis zu rufen.

Vom Hafenplatz geht es über die Teufelsbrücke, sozusagen als „Startbrücke“. Nach links in die Conradistraße entlang Richtung Carlstraße. Das Geländer deutet es an, die hier befindliche Brücke hieß in Verbindung mit dem Invalidenhaus Lazarettbrücke. Weiter geht es die Carlstraße in Richtung Weserstraße und dann nach links auf die Wilhelmsbrücke – das war laut Karlshafen 1699-1999 der alte Name für die Diemelbrücke an der B80. Über die Straße und an der Bremer Straße entlang geht es zum Ortsteil Diemelhöhe. Hinter Krebs & Riedel die Unterführung hindurch und zunächst nach links und dann nach rechts kommt man auf die zweite Diemelbrücke. Entlang an ‚Unter dem Königsberg‘, ‚Am Reservoir‘, ‚Schützenallee‘ und ‚Lutherstraße‘ gelangt man wieder zum Hafenplatz. Umrundet man diesen gegen den Uhrzeigersinn, kommt man an der Spitze des Hafens an den Platz, wo sich früher die Drehbrücke zur Einfahrt der Schiffe in den Hafen befunden hat und heute die Schleuse eine Verbindung zwischen Hafen und Weser schafft.

Dauer: Circa 60 Minuten.

Hinweis: Leichter Weg.


Vorschlag 2: Wanderweg K9 – Weser-Skywalk und Ausgrabungsstätte Schmeessen

Treffpunkt Hafenmauer – Weserstraße – Weserbrücke – An der Saline – Klippenstieg – Weser-Skywalk – Buchstrang – Forsthaus Brüggefeld – Ausgrabungsstätte Schmeessen – Ferriesgrund – Sohnreyhöhe – Friedenstal – Unter den Eichen – Weserbrücke – Weserstraße – Treffpunkt Hafenmauer

Vom Landgraf-Carl-Haus entlang der Kurpromenade über die Weserbrücke am Bahnhof vorbei steil den Klippenweg hinauf zum Weser-Skywalk. Von dort aus geht es geradeaus hoch und zum Parkplatz ‚Buchstrang‘ und diesen circa 200 Meter entlang, bis es links abgeht zum Fortsthaus Brüggefeld. Über die Straße hinweg und am Waldrand entlang beim Bachlauf rechts ab bis zur Donnereiche. Dort links dem Weg parallel zur Straße folgen. Die Straße wieder überqueren und zur Ausgrabungsstätte der Dorfwüstung Schmeessen – vorbei an den Hügelgräbern der Bronzezeit zum Buchstrang. Diesen überqueren und den Weg hinuntergehen. Man überquert den Ferrisgrund und gelangt über einen Anstieg zum Aussichtspunkt Sohnreyhöhe. In Richtung Bad Karlshafen geht es durch das Friedenstal und die Weserbrücke zurück zum Ausgangspunkt.

Dauer: Circa 150 Minuten.

Hinweis: Teilweise anspruchsvoller Wanderweg, steiler Aufstieg, zum Teil schwieriges Gelände. Wanderkarte sinnvoll.


Vorschlag 3: Besuch des Deutschen Hugenottenmuseums

Das im Jahr 1980 gegründete Deutsche Hugenotten-Museum befindet sich in einer ehemaligen Tabakfabrik. In drei Stockwerken werden Exponate zur Geschichte der Hugenotten in Frankreich und Deutschland gezeigt.

Die Räumlichkeiten der ehemaligen Tabakfabrik, dazu die wirklich sehr große und anschauliche Ausstellung, hier lädt Alles zum Staunen und Verweilen ein. In der ersten Etage ist das Thema der Ausstellung „Das Leben der reformierten Christen in Frankreich – Hugenotten genannt – vor allem ihr Leiden und ihre Verfolgung als Minderheit im katholischen Frankreich“. Im zweiten Stockwerk wird versucht, die Aufnahme und die Integration der aus Frankreich in deutsche Territorien geflohenen Hugenotten zu zeigen. Dabei stehen Brandenburg-Preußen, Hessen-Kassel und Franken im Vordergrund.

Über zwei Etagen gibt es Bilder, Dokumente, Bücher und Gegenstände zur Geschichte der Hugenotten und Gründung der Stadt Bad Karlshafen zu sehen. Es gibt Geräte zur Handwerkskunst, alte Werkzeuge, Kleidungs- und Möbelstücke, Alltagsgegenstände und vieles mehr. Im Erdgeschoß befindet sich ein Bücherflohmarkt.

Öffnungszeiten

01.04. – 31.10.2025: Dienstag – Freitag 10 – 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage 11 – 18 Uhr
Der Bücherflohmarkt ist wie das Museum geöffnet.

https://www.hugenottenmuseum.de/

Dauer: individuell.


Vorschlag 4: Der siebte lohnende Umweg (Ausflug)

Aus dem Buch ‚Lohnende Umwege‘ möchte ich heute die siebte Route vorstellen, sie hat folgende Stationen:

    • Bad Karlshafen (Startpunkt)
    • Lüdge (Basilika, Franziskanerkloster)
    • Hattensen (Friedhofskapelle)
    • Hehlen (Schloss)
    • Kemnade (Klosterkirche)
    • Bodenwerder (Villa der Spinnerei, Weserwerft)
    • Buchhagen (Dreifaltigkeitskloster)
    • Westerbrak (Gutsanlage, Forsthaus)
    • Kirchbrak (Kirche, Fabrikanlage im Bauhausstil)

Diese Tour könnte ein schöner Sonntagausflug sein, während dem man unterwegs gemütlich zu einem Mittagessen einkehrt.

Leider können hier an dieser Stelle keine detaillierten Hinweis zu den Orten gegeben werden, hier sei auf das Buch ‚Lohnende Umwege‘ beziehungsweise die Informationen der Gemeinden Bad Karlshafen, Lügde, Ottenstein und Bodenwerder-Polle verwiesen.

Dauer: individuell


Dank

Herzlichen Dank an Herrn Christian Schäfer, Antiquariat Bernhard Schäfer, Bad Karlshafen, für die Einwilligung, an dieser Stelle die Touren des Buches ‚Lohnende Umwege‘ von Kupetz, Sigrid et al.vorstellen zu dürfen.


Quellen und zum Weiterlesen

Stadtgeschichte

Bohn, Robert (2000): 1699-1999 Karlshafen – Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Hessischen Planstadt aus der Barockzeit, Reihe ‚Beiträge zur Geschichte der Stadt Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets‘, Band 11, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshafen.

Lohnende Umwege

Kupetz, Sigrid et al.: Lohnende Umwege – 12 Reiserouten im Dreiländereck Nordhessen, Ostwestfalen und Südniedersachsen, 532 Seiten, 2002, Reihe: ‚Beiträge zur Geschichte der Stadt Bad Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets‘, Band 13, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshafen, ISBN: 3- 934800-01-7. Neupreis: 49,90 Euro – das Buch ist derzeit jedoch nur antiquarisch erhältlich.

Wanderkarten

Bad Karlshafen GmbH: Wanderkarte Bad Karlshafen, Maßstab 1 : 25 000, kein Jahr, Publicpress Publikationsgesellschaft mbH, Geseke.

Kartographische Kommunale Verlagsgesellschaft (Hrsg.): Bad Karlshafen – Stadtplan mit Rad- und Wanderkarte, 3. Auflage, 2014, Maßstab 1 : 7 500, Nordhausen.

Renaissance einer Hafenstadt

Die Zeiten haben sich verändert, wir leben nun in einer Epoche, in der man spürt, wie der Wind der Veränderung durch die Schlemmerschleuse weht. Im 320en Jahr seiner Geschichte wurde Bad Karlshafens historischer Hafen wieder an den Weserstrom angeschlossen. Doch bevor sich am 11. Mai 2019 die Schleusen öffneten und die ersten Boote zu ihren Liegeplätzen gelangen konnten, hier eine „Hafengeschichte“, die aufzeigt, welches Auf und Ab der von Landgraf Carl beauftragte Hafen eigentlich erlebt hat.

 

Bis 1699: Die Vorgeschichte

Der Westfälische Friede von 1648 nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges führte dazu, dass viele deutsche Fürstentümer ihre Souveränität erhielten. Das Kurfürstentum Braunschweig-Lüne­burg, auch Kurfürstentum Hannover genannt, war ab 1692 das 9. Kurfürstentum des Heiligen Rö­mischen Reiches. Die Kleinstaaterei, die erst 1871 beziehungsweise durch die Abschaffung der Adelstitel nach 1918 abgeschafft wurde, führte dazu, dass sich die Kleinstaaten ihre Grenzen gut bewachten und sehr auf ihren Vorteil bestimmt waren. Das führte dazu, dass Waren nicht von Cassel zur Weser befördert werden konnten – dazwischen lag ja das hannoverische Münden. Daher kam Landgraf Carl auf die Idee, einen Kanal von Carlshafen nach Cassel zu bauen. Letztlich sollte dieser Kanal über Cassel hinaus die Weser und den Rhein miteinander verbinden.

Das Problem war also, dass Münden erstens das Stapelrecht besaß, dass es der Stadt erlaubte, alle Waren vor einem Weitertransport drei Tage zum Verkauf anzubieten. Darüber hinaus besaß die Stadt das Recht, dass alle von Münden stromauf- oder stromabwärts gehenden Frachten nur durch Mün­dener Schiffe befördert werden durften.

 

1713 – 1730: Die Baugeschichte

Das Hafenareal vor der Schaffung des zunächst nicht befestigten Hafenbeckens nannte man damals noch „Markt“, die Stadt hieß zunächst auch noch Sieburg. Über die Anfänge der Bauarbeiten am Hafenbecken herrscht Uneinigkeit: Einerseits sollen sie im Jahr 1705 begonnen haben, als Stadtbaumeister Conradi damals ein circa 15.000 Quadratmeter großes Wasserbauwerk schuf. An anderer Stelle wird das Jahr 1713 als das eigentliche Geburtsjahr des Hafens bezeichnet. In diesem Jahr wurde der Hafen angelegt und der Kanal zum Mühlengraben ausgegraben. Bauherr soll ebenfalls der Casseler Baumeister Conradi gewesen sein. Letzteres macht meiner Ansicht nach mehr Sinn, da die ältesten Pläne für den Kanalbau aus den Jahren 1710 und 1713 stammen und ein Hafen ohne verbindende Kanalanschlüsse wenig Sinn macht. Im Zuge der zukünftigen Bewirtschaftung erfolgte am 8. Juli 1715 die Grundsteinlegung für das Packhaus, das heutige Rathaus.

Weitere wichtige Elemente in der Peripherie des Hafens waren die notwendigen Schleusen, um die innerörtlichen Kanäle mit Diemel und Weser zu verbinden. Dazu wurde am 10. Oktober 1715 das Fundament für die (Kammer)Schleuse ge­legt. Bauherr war die holländische Schleusenbaumeister Metzma. Die Fertigstellung der Schleuse zur Weser erfolgte 1716. Am 7. Dezember wurde die Schleuse das erste Mal befahren. Die Fallhöhe der Schleuse wird mit 7-8 Fuß angegeben, ein Fuß entsprach je nach Land meist 28 bis 32 Zentimeter. 1717 war der Kanal war bis etwa Stammen befahrbar. Der Landgraf hat am 2. November die Wasserstraße höchstpersönlich eingeweiht. In den kommende Jahren gab es mehr oder weniger regelmäßige Marktschifffahrt auf dem Kanal. Nach Carls Tod 1730 enden auch die Arbeiten am Kanal.

Die erste Brücke über den Kanal hin zur Weser war alten Stichen zur Folge übrigens eine Zugbrücke.

 

1765-1848: Der Zustand des Hafens als Spiegel der wirtschaftlichen Situation der Stadt

In den kommenden Jahren war der Hafen ein getreues Spiegelbild des wirtschaftlichen Auf und Abs der Stadt. Eine Blütezeit erlebte der Hafen nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763), als ein größerer Warenumschlag stattfand. Eingeführt wurde verschiedene Produkte vor allem aus Bremen, den Weg über die Weser fanden vor allem Textilprodukte wie Leinen. In dieser Zeit wurde das Hafenbecken erneut ausgehoben und entschlammt. 1778 wurde der Hafen erstmals mit festen Mauern befestigt.

Der anschließende wirtschaftliche Niedergang hatte vor allem mit den Napoleonischen Kriegen zu tun, in der deren Folge er nahezu komplett verschlammte und versandete. Vom stolzen Wasserbecken blieb ein kleines Rinnsaal übrig, dass sich durch den inzwischen als Schuttabladeplatz missbrauchten Hafen schlängelte.

Bereits 1820 kamen einige Bürger auf den Gedanken, dass der Wohlstand der Stadt bisher immer auch mit einem funktionsfähigen Hafen einhergingen. Erst 20 Jahre später, 1840, begannen die Umsetzung dieser Überlegungen. Im Sommer 1844 wurde mit der erneuten Entschlammung begonnen und sowohl die Umfassungsmauern als auch die Schleusen erneuert. Am 14. November 1848 wurde der renovierte Hafen eingeweiht, ein Frachtschiff aus Bodenwerder war das erste, das in den Hafen einlief.

Mit der Einweihung der Carlsbahn und der mit ihr einhergehenden Weiterführung zur Weser hat der Hafen seine Funktion als Warenumschlagsplatz endgültig eingebüßt. Fortan wurde er für beschränkten lokalen Handel beziehungsweise als Winterlager für Frachtkahne genutzt. Immerhin gab es mit der „Hafenbahn“ eine direkte Verbindung zwischen der Carlsbahn und der Weser zwecks Frachttransport.

 

1929/1930: Das vorläufige Ende der Schiffbarkeit

Die wirtschaftliche Notwendigkeit, einen Umschlaghafen in der Stadt vorzuhalten, wurde mit den Jahren nicht größer. Der zunehmende Automobilverkehr brachte die alte Drehbrücke über den Schleusenkanal an ihre Grenzen. Das betraf sowohl die Tragfähigkeit der Brücke als auch die Lärmbelastung beim Überfahren der Brücke. Die alte Drehbrücke wurde 1930 zu einer Eisenbetonbrücke umgebaut. Mit diesem Eingriff war der Kanal nicht mehr schiffbar und auch der Hafen verlor seine Funktion als Umschlag- und Lagerplatz. Erstmals seit 214 Jahren waren Hafen und Weser wieder irreversibel voneinander getrennt. Bereits ein Jahr zuvor wurden das Wiegehäuschen am Hafenplatz und der alte Kran vor dem Rathaus abgerissen. Die Hafenstadt als solche war zunächst Geschichte.

 

2019: Wiederanschluss des historischen Hafens an die Weser

Eine Abstimmung unter den Bürgern der Stadt gab 2016 grünes Licht für das bislang größte Bauprojekt der Stadt. Ende Dezember 2018 wurde nach achtzehnmonatiger Bauzeit der barocke Stadthafen in Rekordzeit mit einer neuen Schleuse versehen und wieder an die Weser angeschlossen. Am 11. Mai 2019 wurde der Hafen als Mittelpunkt der barocken Planstadt Bad Karlshafen mit einem feierlichen Festakt wieder eröffnet. Damit ist der Hafen erneut vom Wasser aus erreichbar und für die Besucher der Stadt neu erlebbar. Nur, dass diesmal anders als vor 300 Jahren nicht Frachtschiffe, sondern kleinere Yachten, Sportboote und Kanus in den Hafen einschleusen.

 

Quellen und zum Weiterlesen

Bohn, Robert (2000): 1699-1999 Karlshafen – Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Hessischen Planstadt aus der Barockzeit, Reihe ‚Beiträge zur Geschichte der Stadt Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets‘, Band 11, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshafen.

Meinhardt, Anke (unter Mitarbeit von Brich, Hermann): Geschichte der Stadt Bad Karlshafen und der Kulturstätten der näheren Umgebung, kein Jahr, Nordlanddruck GmbH, Lüneburg. 

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